Höhere Steuern durch neue Bilanzregeln
Bis vor kurzem haben sich Vorstandsvorsitzende in der Regel kaum für Steuerfragen interessiert. Warum seine Zeit mit solch komplexer, technischer Materie vergeuden, wenn sie ohnehin strategisch keine Bedeutung habe, hieß es.
Warum? Weil Gesetzgeber, Steuerberater und vermehrt auch Investoren die Führungskräfte dazu drängen, Verantwortung für diese vermeintliche Unwichtigkeit zu übernehmen.
Tatsächlich ist ein neues Steuerbewusstsein in den Führungsetagen zu vernehmen. Immer mehr Geschäftsführer fragen sich, ob die Steuerabteilung weiterhin von Vorstand und Geschäftsbereichen isoliert bleiben sollte. Steuerskandale wie jene, die sich Ende der 90er Jahre in den USA häuften, will niemand riskieren.
Neues Bewusstsein
Die Einstellung zu Steuerfragen hat sich in den vergangenen Jahren "ganz erheblich" verändert, beobachtet auch das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. "Früher fanden die Steuerdiskussionen in den Hinterzimmern statt, heute kann sich das aber kein Unternehmen mehr erlauben", heißt es in einem Diskussionspapier.
Der Auslöser für das neue Bewusstsein war sicherlich die Welle der Bilanzskandale Ende der 90er Jahre. Kein Unternehmen will erleben, was in den USA etwa der damalige Energiekonzern Enron und das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen durchmachten. Die Angst vor Steuerprüfern und Journalisten, die nach solch einem Skandal vor der Tür stehen, ist groß. Kein Unternehmen will das Risiko eingehen, seinen Ruf durch einen Bilanzskandal für immer zu ruinieren.
Auch der nach den Skandalen verabschiedete Sarbanes-Oxley Act hat das Bewusstsein der Führungsetagen geschärft. Das US-Gesetz legt bestimmte Vorschriften zur Unternehmensberichterstattung fest.
Kein Wunder also, dass auch laut dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young das Thema immer mehr an Bedeutung gewinnt: "Steuerfragen beziehen sich nicht mehr ausschließlich auf den effektiven Steuersatz und den Cashflow. Sie sind ein fester Bestandteil des Risikomanagements geworden."