Die Rettung der Bank kostet Belgiens Steuerzahler Milliarden. Pierre Mariani, der das Unternehmen führt, aber lebt seit drei Jahren in einer Herberge der Extraklasse - auf Firmenkosten und zusätzlich zum Bonus.
von Claus HeckingBrüssel
Schon die Concierges in Frack und Zylinder an der Pforte machen klar: Das Amigo ist Brüssels exklusivstes Hotel. Drinnen klimpert Pianomusik, und in der Bar hängt die Galerie der Stargäste: Asterix-Vater Uderzo, Beyoncé, Bruce Springsteen. Nur der wohl beste Kunde des Hauses hat sich noch nicht verewigt: Pierre Mariani, CEO der Dexia Bank.
Pierre Mariani
Seit Amtsantritt 2008, so berichtet die belgische Zeitung "De Morgen", logiert Mariani in der Junior-Suite - für angeblich 545 Euro pro Nacht. Den Deckel bezahlt, selbstverständlich, die Bank.
Marianis Wahl hat Stil: Marmornes Badezimmer, High-End-TV-System von Bang & Olufsen sowie spezielle Inhouse-Movies - man kriegt was geboten fürs Geld der Firma. Doch in diesen Tagen, da die Dexia teilverstaatlicht wird und Belgien mit über 50 Mrd. Euro bürgen muss, kommt das nicht gut an beim Steuerzahler.
Dass sich Mariani in drei Jahren Dexia noch keine Wohnung in Brüssel gesucht hat, verblüfft selbst Insider wie Luc Soete. Er habe Mariani schon 2008 auf die Unterkunft angesprochen, sagt der Gewerkschaftler. "Er hat uns versichert, der Hotelpreis sei nicht zu hoch." Laut "De Morgen" dürfte das Logis die Bank 160.000 Euro gekostet haben. Die Dexia sprach anfangs von einer "Privatsache" und verkündete am Abend, der CEO zahle nur 185 Euro je Nacht.
Optimisten hoffen, dass Mariani die Rechnung zurückzahlt. Das Geld hätte er mit 1,8 Mio. Euro Jahresgehalt. Im Frühling erhielt er noch mal 600.000 Euro Bonus - obwohl die Dexia da bereits wackelte.
Viele Belgier wetten ohnehin,dass Mariani die Trümmerbank bald verlässt. Neben der Abfindung winkt dem 55-Jährigen eine Pension, 150.000 Euro hat die Dexia je Dienstjahr eingezahlt, plus Fixgehalt, Bonus, Spesen, Funktionsvergütung. Genug für viele nette Nächte im Amigo.
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