Ein Kombibild zeigt ein Schild der Euronext (oben) und eine Fahne der Deutsche Börse Group
Experten sind jedoch uneins, ob es dabei zwischen den drei großen europäischen Börsen und den zahlreichen kleineren Handelsplätzen auf Kooperationen oder vielmehr Fusionen und Übernahmen hinausläuft. "Die Konsolidierung wird das beherrschende Thema bleiben, aber viele Prozesse werden längere Zeit benötigen, als oftmals öffentlich suggeriert wird", sagt Börsenexperte Peter Gomber vom Frankfurter Lehrstuhl für E-Finance.
2005 waren in Europa alle Bemühungen gescheitert, obwohl seit Jahren über eine Konzentration der Branche diskutiert wird. Noch immer ist die heiß umworbene London Stock Exchange (LSE) eigenständig, obwohl sie sich binnen eines Jahres gleich drei Avancen stellen musste. Befürworter der Konsolidierung verweisen in der Regel auf die hohen Synergiepotenziale gemeinsamer Handelssysteme. Gegner sehen jedoch den Wettbewerb in Gefahr und fürchten die Preismacht der Handelsplätze.
Die Sicht der Wettbewerbshüter ist unklar
Mit den Aktionären der Börsen tauchten im vergangenen Jahr außerdem zum ersten Mal neue mächtige Spieler auf der Bühne auf, die auch in diesem Jahr ein Wörtchen mitreden werden: Denn nicht nur am Widerstand von Management und Börsenkunden in der City waren die LSE-Übernahmeversuche durch die Deutsche Börse und die Mehrländerbörse Euronext gescheitert, zuletzt ließen sich kritische Aktionäre der Deutschen Börse, vorzugsweise Hedge-Fonds, nicht von dem aus ihrer Sicht kostspieligen Vorhaben überzeugen.
Ungeklärt ist auch nach wie vor die Sicht der Wettbewerbshüter. "Wir wissen immer noch nicht genau, wie die Wettbewerbsbehörden einen Zusammenschluss der drei großen Börsen sehen würden, man kann aber wohl davon ausgehen, dass sie bereits eine Fusion von zweien als bedrohlich einstufen", sagt Dirk Schiereck vom Stiftungslehrstuhl Bank- und Finanzmanagement an der European Business School in Oestrich-Winkel. "Es wird daher jemand versuchen, die EU-Kommission zu testen."