Der Fall schaffte es bis in die "Bild"-Zeitung. "Gift im Geld!" titelte das Boulevardblatt, als im Mai zwölf Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank in Mainz kurzzeitig im Krankenhaus behandelt wurden. Angestellte des "Nationalen Analysezentrums für Falschgeld und beschädigtes Bargeld" - eine Abteilung der Bundesbank - hatten über Schwindel und Unwohlsein geklagt, nachdem von einer Lieferung von Euro- und D-Mark-Scheinen Dämpfe aufgestiegen waren. Der TÜV nahm Untersuchungen auf, jetzt liegen die Ergebnisse vor.
Eine Bundesbank-Sprecherin sagte, die Banknoten seien "mit einer Vielzahl von chemischen Verbindungen" in Kontakt gekommen, darunter Kohlenwasserstoffe. Solche Substanzen werden beispielsweise zum Reinigen verwendet. Unklar sei, ob die Scheine absichtlich gesäubert wurden, und wenn ja, weshalb. Klar sei nur, dass keine Gesundheitsgefahr bestanden habe. Es handle sich um eine "geringe Kontaminierung".
Der Sprecherin zufolge geht es um eine "größere Summe", die ein Geschäftsmann eingeliefert hatte. Da die Dämpfe harmlos seien, müsse er keine rechtlichen Konsequenzen befürchten - und erhalte sogar den Gegenwert der Scheine gutgeschrieben. Der Einlieferer habe bereits mehrmals - unkontaminierte - Pakete abgegeben; offensichtlich handle es sich beim Einsammeln beschädigter Scheine um sein Geschäftsmodell. Es seien mehrere solcher Profi-Einlieferer bekannt, die etwa in Osteuropa oder Asien beschädigte Noten en gros zusammensuchen.
Nicht zum ersten Mal hatten Dämpfe Mitarbeitern der Bundesbank zugesetzt. Im Oktober 2008 löste eine Lieferung von D-Mark-Münzen aus China Giftalarm in der Hamburger Filiale der Bundesbank aus. Die Geldstücke wurden in mehreren Plastikbeuteln zum Umtausch angeliefert; bei deren Öffnen traten offenbar schädliche Dämpfe aus. Die "Hamburger Morgenpost" zitierte seinerzeit einen Feuerwehrsprecher mit den Worten: "Wir vermuten, dass an den Münzen noch nicht getrocknetes Reinigungsmittel haftete und es dadurch in den Beuteln zu einer Gasentwicklung gekommen ist."
Das Nationale Analysezentrum in Mainz, in dem der aktuelle Fall passiert ist, hat zwei Aufgaben: die Analyse gefälschter Banknoten sowie die Bearbeitung beschädigten Geldes. Es ist das einzige seiner Art in Deutschland. Der bislang größte Auftrag des Zentrums resultiert aus einer Straftat. Dabei handelte es sich um das Lösegeld aus dem Entführungsfall Richard Oetker 1976, von dem knapp 13.000.1000-DM-Scheine im Jahre 1997 überraschend wieder aufgetaucht waren.
Das Lösegeld war jahrelang vergraben, Feuchtigkeit und Insektenfraß hatten den Scheinen zugesetzt. Die Bundesbank ersetzte der Industriellenfamilie Oetker die knapp 13 Mio. DM.
So richtig Hochkonjunktur hat das Mainzer Zentrum indes meist im Januar. Dann kommen die an den Weihnachtsfeiertagen verbrannten Geldscheine dort an.