Bis vor wenigen Wochen haben beide Börsen nach FTD-Informationen über eine Fusion oder Kooperation in einzelnen Geschäftsfeldern verhandelt. Eingeweiht war auf Frankfurter Seite nur der engste Zirkel um den Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni.
Mit der Fusion hätte sich die internationale Börsenlandschaft grundlegend geändert. Zur NYSE gehört auch Euronext, die die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Paris und Lissabon betreibt. Durch einen Zusammenschluss mit der Deutschen Börse wäre ein noch größerer Börsenblock in Europa entstanden. Auch auf dem Derivatemarkt hätten sich die Strukturen dramatisch gewandelt. Zur NYSE Euronext gehört der Londoner Terminmarkt Liffe, die Deutsche Börse ist an der Terminbörse Eurex beteiligt.
Die Deutsche Börse bestätigte, "regelmäßige Kontakte mit potenziellen Partnern, wie etwa auch der NYSE". Solche Gespräche dienten der laufenden Überprüfung aller strategischen Optionen. "Soweit solche Gespräche mit der NYSE geführt wurden, sind diese aber ohne jedes Ergebnis beendet."
Kartellrechtliche Probleme haben die Verhandlungspartner nach FTD-Informationen nicht befürchtet. Grund für das Scheitern soll die unterschiedliche Marktkapitalisierung beider Börsen gewesen sein. Die Deutsche Börse weist derzeit einen Marktwert von 9,8 Mrd. Euro auf, NYSE Euronext kommt auf 4,4 Mrd. Euro.
Zwar setzt NYSE Euronext mehr um als die Deutsche Börse , dafür aber sind die Frankfurter das profitablere Unternehmen. Die Verhandlungspartner - vor allem der Deutschen Börse - hatten vor diesem Hintergrund gefürchtet, dass die Deutsche Börse unter Wert in eine fusionierte Gesellschaft eingehen würde.
Teil 2: Der Aufsichtsrat war nicht informiert