Giuseppe Vita wird Nachfolger von Dieter Rampl als Aufsichtsratspräsident von Unicredit . Für den 76-jährigen Chefkontrolleur des Axel-Springer-Verlags sprachen sich die zuständigen Aktionärsausschüsse der Muttergesellschaft der deutschen HypoVereinsbank aus. "Giuseppe Vita ist eine exzellente Wahl", erklärte Rampl am Donnerstag. Das offizielle Votum findet am 11. Mai auf der Hauptversammlung statt. Das ist jetzt allerdings nur noch eine Formalie.
Die Empfehlung Vitas ist als ein starkes Bekenntnis zu Deutschland zu werten. Der Radiologe verkörpert wie kaum ein Zweiter die deutsch-italienische Partnerschaft. In den 1960er-Jahren wurde er Assistent am Röntgeninstitut der Mainzer Universität. Danach war er Vorstandsvorsitzender des Pharmaunternehmens Schering in Berlin. Neben seinem Mandat bei Axel Springer ist er Aufsichtsratspräsident der Allianz in Italien und der Banca Leonardo.
Gegenüber München und Berlin ist die Personalie Vita damit ein wichtiges Signal. Mit Rampl scheidet Ende April nach Ex-Chef Alessandro Profumo der zweite Architekt der Fusion zwischen Unicredit und der HypoVereinsbank im Jahr 2005 aus. Bankchef Federico Ghizzoni, der seit Ende September 2010 im Amt ist, stutzt das Kreditinstitut nach der starken Expansion in der Ära Profumo zurecht - und konzentriert sich auf Kernmärkte, darunter auch Deutschland. Der Netzwerker und Diplomat Vita dürfte für die Italiener ein guter Türöffner sein.
Freuen dürfte sich die Allianz. Die Versicherung hält zwar nur zwei Prozent an Unicredit und liegt damit hinter den italienischen Sparkassenstiftungen, dem Staatsfonds Aabar, der libyschen Zentralbank und den US-Vermögensverwaltern Blackrock sowie Capital Research. Sie unterstreicht aber ihren Einfluss bei der Besetzung von Top-Positionen im italienischen Finanzsektor. Bei den zwei größten Banken des Landes haben nun Allianz-Vertraute Schlüsselposten inne: Während Vita bei Unicredit Chefkontrolleur wird, ist Ex-Allianz-Italia-Chef Enrico Tommaso Cucchiani seit Ende November Vorstandsvorsitzender bei Intesa Sanpaolo. Er folgte auf Corrado Passera, der Entwicklungsminister in der Regierung von Ministerpräsident Mario Monti wurde.
Vita setzte sich gegen drei weitere Kandidaten durch, die der Personalberater Egon Zehnder auf eine Shortlist gesetzt hatte. Dabei handelte es sich um Ex-Eni-Präsident Gian Maria Gros-Pietro, Ex-Börsenpräsident Angelo Tantazzi und den aktuellen Präsidenten der Borsa Italiana, Massimo Tononi. Neben seiner Deutschland-Expertise spricht für den Mediziner Vita seine politische Unabhängigkeit. Seine drei Rivalen gelten als Vertraute des ehemaligen Ministerpräsidenten Romano Prodi. Zudem wird Tantazzi und Tononi eine Nähe zu dem aktuellen Präsidenten von Intesa Sanpaolo, Giovanni Bazoli, nachgesagt.
Vita und Ghizzoni fällt die Aufgabe zu, die Ertragskraft von Unicredit zu steigern. Die Ziele sind ehrgeizig. Der strategische Plan sieht vor, den Nettogewinn von 1,3 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 6,5 Mrd. Euro im Jahr 2015 zu erhöhen. Gelingen soll das unter anderem mit einer besseren Ansprache der Kunden und geringeren Kosten bei zentralen Funktionen. Erste Erfolge gibt es. Dank einer Aktienemission in Höhe von 7,5 Mrd. Euro Anfang des Jahres dürfte die Bank ausreichend kapitalisiert sein. Einen Strich durch die Rechnung machen könnte die Konjunktur. Italien steht 2012 eine heftige Rezession bevor. Kreditausfälle könnten die Folge sein.