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Merken   Drucken   19.01.2012, 16:04 Schriftgröße: AAA

US-Bank: Gewinneinbruch zwingt Goldman zum Sparen

Mit einem Nettoergebnis von 1 Mrd. Dollar verdient die  Investmentbank im vierten Quartal nicht einmal halb so viel wie im  Vorjahr. Lohnkürzungen verhindern Schlimmeres, doch auch für 2012 sehen Experten schwarz.
© Bild: 2011 Bloomberg
Mit einem Nettoergebnis von 1 Mrd. Dollar verdient die Investmentbank im vierten Quartal nicht einmal halb so viel wie im Vorjahr. Lohnkürzungen verhindern Schlimmeres, doch auch für 2012 sehen Experten schwarz. von Barbara Schäder  Frankfurt und Kim Bode, New York
Turbulenzen auf den Kapitalmärkten haben der US-Investmentbank Goldman Sachs  zwar das Ergebnis verhagelt, allerdings nicht so schlimm wie zuvor befürchtet. Im vierten Quartal ging der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 58 Prozent auf rund 1 Mrd. Dollar zurück, wie das fünftgrößte US-Geldhaus nach Vermögen am Mittwoch mitteilte. Der Gewinn pro Aktie lag mit 1,84 Dollar aber deutlich über den Erwartungen der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten von 1,23 Dollar pro Anteilsschein. Die Händler zeigten sich deswegen dennoch positiv überrascht von Goldmans Bilanz: Der Aktienkurs stieg am Vormittag an der Börse in New York um mehr als sechs Prozent.
Kursinformationen und Charts
  Goldman Sachs 94,23 USD  [-0.38 -0,40%
  JP Morgan Chase 32,9799 USD  [0.0199 +0,06%
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Trotz der Erholung an den Aktienmärkten sorgten die Euro-Schuldenkrise und die Abkühlung des weltweiten Wirtschaftswachstums auch im vierten Quartal 2011 dafür, dass sich Anleger mit riskanten Investments zurückhielten. So hatten sovor bereits Goldmans Wettbewerber JP Morgan  und die Citigroup  deutliche Gewinnrückgänge vorgelegt.
"Goldmans Einbruch im Handelsgeschäft ist keine große Überraschung, denn sie sind in hohem Maße von den Märkten abhängig und die Investoren sind sehr vorsichtig", sagte Bankenexperte Chris Whalen von Institutional Risk Analytics. "Sie sind nicht einmal eine richtige Bank", fügt er mit Blick auf Goldmans geringes Engagement im klassischen Bankgeschäft hinzu.
Wie sehr Goldman Sachs in diesen Zeiten damit zu hadern hat, spiegelt sich vor allem in einem deutlichen Rückgang der Gewinne und Erträge wider: Insgesamt verdiente Goldman Sachs im vergangenen Jahr 4,4 Mrd. Dollar, so wenig wie zuletzt im Krisenjahr 2008. 2010 lag der Gewinn dagegen noch bei 8,4 Mrd. Dollar. Die Einnahmen des Gesamtjahres gingen um 26 Prozent auf 28,8 Mrd. Dollar zurück.
In allen übergeordneten Geschäftsbereichen musste die Bank im letzten Quartal in 2011 im Vergleich zum Vorjahr Einbußen hinnehmen. Den stärksten Einbruch erlitt die Bank im Beratungs- und Emissionsgeschäft. Mit 857 Mio. Euro im vierten Quartal lagen die Gebühreneinnahmen um 43 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Gegenüber dem dritten Quartal stiegen sie allerdings um zehn Prozent. Im Vergleich zu Wettbewerbern wie JP Morgan und Citigroup sehe Goldmans Bilanz aus dem vergangenen Quartal eigentlich ziemlich gut aus, sagte Jeff Harte, Chefanalyst beim Finanzdienstleister Sandler O'Neill.
Lloyd Blankfein, Vorstandsvorsitzender der Goldman Sachs Group   Lloyd Blankfein, Vorstandsvorsitzender der Goldman Sachs Group
Für das laufende Jahr zeigte sich Bankchef Lloyd Blankfein zuversichtlich: "Wenn sich Wirtschaft und Marktlage verbessern - und dafür sehen wir ermutigende Anzeichen - ist Goldman Sachs sehr gut positioniert." Um die Schwäche im Investmentbanking aufzufangen, bemühte sich Blankfein im bereits vergangenen Jahr um Kosteneinsparungen und kürzte vor allem bei den Personalkosten, dem größten Ausgabenposten des Instituts. Um 21 Prozent auf 12,2 Mrd. Dollar stutzte der Bankchef das Budget. Die Zahl der Beschäftigten ging auf 33.300 zurück, verglichen mit 34.200 noch vor drei Monaten und 35.700 vor einem Jahr. Insgesamt verringerte die Bank ihre laufenden Kosten im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 22,6 Mrd. Dollar. Insgesamt verringerte die Bank ihre laufenden Kosten im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 22,6 Mrd. Dollar.
Angesichts der anhaltenden Euro-Schuldenkrise und den wirtschaftlichen Unsicherheiten rechnen Experten allerdings damit, dass sich die Flaute im Investmentbanking auch in diesem Jahr noch weiter fortsetzen wird. "Ich schätze, dass die Erträge in 2012 auf unverändertem und leicht niedrigerem Niveau im Vergleich zum vergangenen Jahr liegen werden", sagt Whalen. "Das ist ziemlich hart, weil es bedeutet, das die großen Banken wohl ihre Massenentlassungen fortsetzen werde."
16:32:13 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Goldman Sachs 94,23 USD   -0,40%  -0.38
JP Morgan Chase 32,9799 USD   +0,06%  0.0199
Citigroup 25,95 USD   -0,19%  -0.05
  • FTD.de, 19.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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