FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Wie der Stresstest funktioniert

Merken   Drucken   27.02.2009, 09:05 Schriftgröße: AAA

US-Banken: Wie der Stresstest funktioniert  

Seid ihr überlebensfähig, wenn alles noch viel dicker kommt? Mit dieser Frage konfrontiert die US-Regierung 19 Banken des Landes. Wer durchfällt, bekommt zur Not zwangsweise Staatshilfe. Und die soll dann wirklich in der Wirtschaft ankommen. von Sebastian Bräuer (New York)
Weitere Kapitalspritzen und Mitbestimmung bei strategischen Fragen, aber keine Verstaatlichungen: Mit dieser Strategie stemmt sich die US-Regierung gegen die Bankenkrise.
Finanzminister Timothy Geithner  sprach sich Donnerstag erstmals eindeutig gegen Verstaatlichungen aus.
Das sei die falsche Strategie, sagte Geithner dem TV-Sender PBS und schloss sich der Einschätzung von Notenbankchef Ben Bernanke an. Wochenlange Unsicherheit, ob Washington Komplettübernahmen angeschlagener Institute wie der Citigroup oder der Bank of America  plant, hatte an der Börse zu Panikverkäufen geführt. Bei der Citigroup  steht die Regierung indes kurz davor, ihre 7,8 Prozent, die sie in Vorzugsaktien hält, in 40 Prozent der Stammaktien umzuwandeln.
Um sich einen Überblick über ihre Krisenresistenz zu verschaffen, unterzieht die Regierung die Banken seit dieser Woche "Stresstests". Bis Ende April müssen insgesamt 19 Banken mit mindestens 100 Mrd. $ Bilanzsumme in zwei Konjunkturszenarien nachweisen, dass ihre Kapitalausstattung ausreicht. Anschließend haben sie sechs Monate Zeit, Kapital über Kapitalerhöhungen einzutreiben - oder Staatshilfe zu akzeptieren. Im Gegenzug erhält das Finanzministerium Vorzugsaktien, die in Stammaktien gewandelt werden können.
Erhalten Banken Staatsgeld, müssten sie mehr Kredite vergeben. "Dieses Mal werden die Chefs die Steuergelder nicht mehr verwenden können, um ihre Gehälter aufzustocken, ausgefallene Büroeinrichtrungen zu kaufen oder in einem Privatjet zu verschwinden. Diese Zeiten sind vorbei", hatte Präsident Barack Obama  vor dem Kongress gesagt. Seine starken Worte und sein Rettungsplan sollen helfen, das Vertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen, ohne alle 19 Banken stützen zu müssen.
Die meisten US-Banken seien ausreichend kapitalisiert, aber die unsichere wirtschaftliche Lage lasse das Vertrauen erodieren, erklärte das Finanzministerium. Daher setzt Washington bei Kapitalspritzen keine Obergrenze. Zudem hat Bernanke signalisiert, dass die zweite Hälfte des im September 2008 verabschiedeten, 700 Mrd. $ teuren Rettungspakets nicht reichen könnte. Obamas Etatentwurf sieht zusätzlich 750 Mrd. $ zur Stützung des Finanzsektors vor, wie Donnerstag bekannt wurde. Das könnte den Fiskus letztlich mit 250 Mrd. $ belasten. Der Kongress müsste zustimmen, dass das Geld tatsächlich den Banken zugutekommt.
Analysten lobten, dass die Regierung ihre Pläne konkretisiert. "Das ist der bisher aggressivste Versuch, den Sorgen um die Banken zu begegnen", sagte Richard Bove von Rochdale Securities. Kritisiert wird aber die Konzentration auf die Großbanken, da derzeit viele regionale Institute die Krise nicht überleben.
  • Aus der FTD vom 27.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  09:15 Wirtschaft Auslaufmodell Blackberry?
Wirtschaft: Auslaufmodell Blackberry? (00:01:22)

Hersteller Research in Motion schwer unter Druck - Offenbar Suche nach Verbündeten angelaufen mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6227,26  [-53.54 -0,85%
  Dow Jones 12364,84  [-55.02 -0,44%
  Nasdaq Composite 2807,58  [-29.78 -1,05%
  Euro Stoxx 50 2102,93  [-13.25 -0,63%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote