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Merken   Drucken   01.02.2012, 12:19 Schriftgröße: AAA

US-Immobilienkrise: Freddie Macs brisante Wette

Der Hypothekenfinanzierer soll Hauskäufer unterstützen. Doch das Staatsunternehmen erschwert den Zugang zu vergünstigten Zinssätzen und profitiert selbst davon - durch den Einsatz umstrittener Finanzinstrumente.
© Bild: 2010 reuters
Der Hypothekenfinanzierer soll Hauskäufer unterstützen. Doch das Staatsunternehmen erschwert den Zugang zu vergünstigten Zinssätzen und profitiert selbst davon - durch den Einsatz umstrittener Finanzinstrumente. von Kim Bode, New York
So viel Aufmerksamkeit wie mit dieser einen Schlagzeile hat es für die 2008 verstaatlichten US-Hypothekenfinanzierer wohl seit damals nicht mehr gegeben: "Freddie Mac wettet gegen amerikanische Hauseigentümer", berichteten Anfang der Woche der US-Radiosender NPR und das investigative Recherchenetzwerk ProPublica. Demnach hat das Staatsunternehmen Milliarden in komplizierte, mit Hypotheken besicherte Wertpapiere investiert, die von den hohen Zinszahlungen der sich abmühenden Hausbesitzer profitieren. Die Öffentlichkeit ist empört und verwirrt: Versucht Freddie Mac nun, den Eigenheimbesitzern zu helfen oder ihnen zu schaden?
Seit der Verstaatlichung vor drei Jahren haben Fannie Mae  und Freddie Mac  bisher rund 169 Mrd. Dollar Unterstützung von den amerikanischen Steuerzahlern erhalten. Aufgabe der beiden Hypothekenfinanzierer ist es, den Zugang zu Häuserkrediten zu erleichtern und damit den Immobilienmarkt als Rückgrat der US-Wirtschaft zu stabilisieren. Mittlerweile garantieren oder sitzen sie selbst auf nahezu der Hälfte der privaten Immobilienkredite. Bei mehr als einem Viertel aller US-Hausbesitzer sind die Hypothekenschulden heute höher, als die Immobilien wert sind, aber sie sind an die hohen Zinsraten gebunden.
Freddie profitiert vom Leid der Hypothekenschuldner
Und genau da setzt die "Wette" an: Freddie Mac hat Ende 2010 und 2011 kräftig in sogenannte "Inverse Floaters" investiert. Das sind hypothekenbesicherte Anleihen, deren Wert davon abhängt, wie groß der Unterschied zwischen den Festzinssätzen der Hauseigentümer und dem aktuellen, deutlich niedrigeren Zins ist.
Das Pikante daran: Zeitgleich mit den umstrittenen Investitionen machte Freddie Mac es Hausbesitzern schwerer, von den hohen Festzinsraten herunterzukommen. Nun sieht es so aus, als habe die Firma mit den strengeren Regeln in die eigene Tasche gewirtschaftet - auch wenn es dafür keinerlei Beweise gibt.
Allein schon daran, dass es sich um hypothekenbesicherte Anleihen handelt, nehmen viele Anstoß. "Wie kann es sein, dass nach mehr als drei Jahren in der Krise einige der komplizierten Derivategeschäfte, die einige unserer größten Finanzinstitutionen zu Fall gebracht haben, jetzt von Freddie Mac gemacht werden?", sagt Christopher Mayer, Real-Estate-Professor an der Columbia Business School. Statt der Investmentbank Goldman Sachs sauge dieses Mal ein Staatsunternehmen die amerikanischen Hausbesitzer aus, spotten Wall-Street-Beobachter.
Hat da etwa die Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency nicht aufgepasst? Umgehend holte die FHFA zur Rechtfertigung aus: Im Dezember, wohlbemerkt ein Jahr nach der Hochzeit der Investitionen, habe sie Freddie Mac zur Einstellung der Wetten mit Inverse Floaters - plötzlich schon im Wert von 5 Mrd. Dollar - gebracht. Politikern reicht das nicht aus, empört verlangten zahlreiche Senatoren beider Parteien nach Aufklärung. Das Finanzministerium untersucht die Vorgänge.
  • FTD.de, 01.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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