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Merken   Drucken   08.08.2009, 06:00 Schriftgröße: AAA

Verbraucherschutz: Honorarberatung scheitert am Kunden  

Immer mehr Institute bereiten einer Studie zufolge die Vermögensberatung gegen Honorar vor. Noch wollen aber die wenigsten Anleger zahlen. von Sebastian Ertinger
Jedes dritte deutsche Geldinstitut plant, das im Zuge der Finanzkrise verspielte Vertrauen der Kunden durch eine unabhängige Vermögensberatung zurückzugewinnen. Das ergab eine Umfrage unter Spitzenmanagern der Kreditwirtschaft von Steria Mummert Consulting. Für die neutrale Beratung müssen die Kunden dann aber ein Honorar bezahlen.
Bislang beraten in Deutschland die meisten Banken ihre Kunden kostenlos, rücken dann aber meist ihre eigenen Produkte in den Vordergrund. Bei Produkten anderer Anbieter kassieren sie, wie unabhängige Finanzdiensleister auch, Provisionen für die verkauften Produkte. In mehr als 90 Prozent der Fälle basiert die Vergütung für die Beratung noch auf Provisionen.
Daher treibt auch die Regierung die Einführung der Honorarberatung voran. Das Bundesverbraucherschutzministerium appelliert an die Banken, die Beratung künftig nicht mehr an Mitarbeiterprovisionen zu koppeln. Diese Praxis war im Zuge der Finanzkrise in die Kritik geraten, nachdem Anleger zum Teil herbe Verluste erlitten und sich schlecht beraten fühlten.
An den Kundenwünschen vorbei
Staat und Banken zielen mit ihrem Vorhaben jedoch offenbar an den Wünschen vieler Kunden vorbei. Die zeigen sich zurückhaltend, wie eine Umfrage der DZ Bank ergab. "Lediglich 20 Prozent der Befragten wären bereit, eine Gebühr für neutrale Beratung zu bezahlen", heißt es in der Studie, die im Juni veröffentlicht wurde. Dagegen steht das Argument der Honorarberater: Demnach kommen die Provisionen die meisten Anleger teurer als ein Beratungshonorar.
Nach Ansicht der Entscheider deutscher Finanzinstitute wird sich die Honorarberatung bis zum Jahr 2015 zusätzlich zur klassischen Beratung etabliert haben. Das zeigte bereits im vergangenen Jahr eine Studie der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners.
Die meisten Experten in Deutschland sehen das größte Potenzial für die Honorarberatung im Geschäft mit vermögenden Privatkunden, ergab die Steria-Mummert-Studie. Der Grund: Der Beratungsbedarf ist in diesem Kundenkreis meist größer als im Massengeschäft. "Wenn der Beratungsaufwand in Relation zur geplanten Investition zu hoch ist, wird sich das Modell nicht durchsetzen können", sagt Rainer Deckers, Bankexperte bei Steria Mummert Consulting.
Eine der wenigen Banken, die in Deutschland Honorarberatung anbieten, ist die Berliner Quirin Bank. Sie will ihr Konzept künftig auch bei der Betreuung sehr vermögender Kunden einsetzen, teilte das Institut am Donnerstag mit. "Immer mehr Anleger, die über sehr hohe und zum Teil weit gestreute Vermögen verfügen, interessieren sich für das Konzept der Honorarberatung", sagt Christian Kreuser, Leiter Private Banking der Bank.

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  • FTD.de, 08.08.2009
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