Fast eine Dreiviertelstunde brauchte der zuständige Kursmakler auf dem Parkett in New York, dann erst stand der erste Kurs fest: 59,50 $. Im Vergleich zum Ausgabekurs ist das ein sattes Plus von 35,2 Prozent. Das Umfeld half dem Börsenneuling dabei nicht: Der Dow Jones pendelte orientierungslos um den Vortagesstand.
Visa hatte zuvor 406 Millionen Aktien für den Preis von je 44 $ verkauft, sagte ein Mitarbeiter von einer mit dem Börsengang beauftragten Bank am Dienstag. Damit nahm das Unternehmen 17,9 Mrd. $ ein. Analysten hatten zuletzt mit einer Spanne zwischen 37 $ und 42 $ je Anteilsschein gerechnet.
Je nach Nachfrage will Visa bis zu 40,6 Millionen weitere Aktien nachschießen, so dass sich das Volumen des Börsengangs auf bis zu 19,7 Mrd. $ erhöhen könnte.
Mit dem Schritt folgt Visa dem Konkurrenten Mastercard , der vor knapp zwei Jahren an die Börse ging. Der kleinere Rivale erlöste damals 2,4 Mrd. $.
Der Börsenkurs der Visa-Aktie entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 30. Das ist mehr als bei Mastercard, wo diese Kennziffer bei 27 liegt. Beide Aktien sind damit rund doppelt so teuer wie der Durchschnitt der Aktien im breiten US-Index S&P 500. Analysten begründen die hohe Bewertung mit dem Geschäftsmodell. Beide Unternehmen teilen sich den Markt praktisch untereinander auf. Außerdem sind sie kaum Kreditmarktrisiken ausgesetzt, da sie die Zahlungsströme nur organisieren, selbst aber nicht als Kreditgeber der Karteninhaber auftreten.
Bislang führte der Telekomkonzern AT&T mit einem Erlös von 10,6 Mrd. $ im Jahr 2000 die Liste der größten US-Börsengänge an. Spitzenreiter weltweit ist die chinesische Bank ICBC mit ihrem Doppel-IPO in Hongkong und Schanghai im Jahr 2006, der ihr 22 Mrd. $ in die Kassen spülte.