Der DZ Bank drohen nach FTD-Informationen schmerzhafte Verluste aus dem Osteuropa-Geschäft der VR-Leasing. Nach derzeitigem Stand dürften bei der Tochter in diesem Jahr Belastungen von 150 Mio. bis 300 Mio. Euro auflaufen, heißt es in Finanzkreisen. "Das sind Altlasten, die dem neuen Vorstand jetzt vor die Füße fallen", sagte ein Insider. Ein anderer sprach "von mehreren großen Projekten, die da umgekippt sind". Weder die DZ Bank noch die VR-Leasing wollten sich äußern.
Die Leasingtochter ist nicht das einzige Sorgenkind der viertgrößten deutschen Bank. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut hat auch mit Überkapazitäten im Kapitalmarktgeschäft zu kämpfen. So bestätigte Vorstandschef Wolfgang Kirsch am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters einen FTD-Bericht, wonach in dieser Sparte 100 Stellen abgebaut werden. Das ist jeder zehnte Arbeitsplatz in dem Segment. Insgesamt arbeiten bei der DZ Bank rund 4000 Menschen. Kirsch bereitete den Genossenschaftssektor auf weitere kräftige Kostensenkungen vor: "Es wird am Ende wohl auch in unserem Verbund weniger Zweigstellen und Mitarbeiter geben."
Die Kosteneinsparungen sind Teil eines Wettlaufs gegen die Zeit, der jetzt für die DZ Bank beginnt. Ab 2013 treten sukzessive die neuen Eigenkapitalvorschriften Basel III in Kraft, die den Geldhäusern auf Sicht eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent abverlangen. Die DZ Bank liegt zurzeit noch deutlich darunter. Hinzu kommt, dass die Finanzaufsicht BaFin von ihr voraussichtlich einen zusätzlichen Kapitalpuffer fordern wird, weil sie sie als national systemrelevante Bank einstuft.
Da die Frankfurter nicht an der Börse notiert sind, bleiben neben der Senkung der Risiken vor allem zwei Wege, um das Kapital zu stärken: zu thesaurieren, also Gewinne einzubehalten, oder die Eigentümer anzupumpen - das sind in erster Linie Hunderte örtlicher Volks- und Raiffeisenbanken; zudem hält das Düsseldorfer Schwesterinstitut WGZ Bank einen Anteil. Kirsch sagte, es liefen Gespräche mit den Aufsehern dazu, welche Kapitalbestandteile als hartes Kernkapital anerkannt würden. "Dann wissen wir, ob Kapitalbedarf besteht, der nicht durch Thesaurierung gedeckt werden kann." Die Verluste der Leasingtochter seien letztlich allerdings nicht entscheidend für die Frage, ob die DZ Bank frisches Kapital brauche, hieß es in Finanzkreisen: "Das Minus ist zwar schmerzhaft, aber nicht der ausschlaggebende Faktor."
Die Leasingtochter war bis zur Finanzkrise ein steter Ertragsbringer der DZ Bank. 2009 erlitt sie dann erstmalig einen Verlust von 16,7 Mio. Euro, im vergangenen Jahr kam ein Minus von 30,3 Mio. Euro hinzu. Die nun anstehenden Belastungen haben allerdings eine neue Qualität - und könnten ein Indiz dafür sein, dass die Gesellschaft ihre Krise längst nicht durchgestanden hat.
Bei welchen Geschäften genau die Verluste angefallen sind, blieb zunächst unklar. Sicher ist, das vor allem Ungarn betroffen ist. Dort hatte die VR-Leasing vor der Krise das größte Rad gedreht. Anfang 2011 hatte die DZ Bank durchgegriffen und den früheren Norisbank-Chef Theophil Graband zum Vorstandsvorsitzenden der VR-Leasing gemacht. Vor einigen Monaten wurden auch die übrigen Vorstände ausgetauscht. "Graband muss da mit dem Aufräumkommando durch", sagte ein Insider.