FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » DZ-Bank-Tochter macht horrende Verluste
Merken   Drucken   07.11.2012, 20:20 Schriftgröße: AAA

VR Leasing: DZ-Bank-Tochter macht horrende Verluste

Die VR-Leasing verbrennt in Osteuropa Hunderte Millionen Euro. Die Leasingtochter ist nicht das einzige Sorgenkind der viertgrößten deutschen Bank. Die Mutter ringt zur Zeit um eine Stärkung des Eigenkapitals.
© Bild: 2012 Bloomberg/Hannelore Foerster
Die VR-Leasing verbrennt in Osteuropa Hunderte Millionen Euro. Die Leasingtochter ist nicht das einzige Sorgenkind der viertgrößten deutschen Bank. Die Mutter ringt zur Zeit um eine Stärkung des Eigenkapitals.
von Frankfurt

Der DZ Bank drohen nach FTD-Informationen schmerzhafte Verluste aus dem Osteuropa-Geschäft der VR-Leasing. Nach derzeitigem Stand dürften bei der Tochter in diesem Jahr Belastungen von 150 Mio. bis 300 Mio. Euro auflaufen, heißt es in Finanzkreisen. "Das sind Altlasten, die dem neuen Vorstand jetzt vor die Füße fallen", sagte ein Insider. Ein anderer sprach "von mehreren großen Projekten, die da umgekippt sind". Weder die DZ Bank noch die VR-Leasing wollten sich äußern.

Die Leasingtochter ist nicht das einzige Sorgenkind der viertgrößten deutschen Bank. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut hat auch mit Überkapazitäten im Kapitalmarktgeschäft zu kämpfen. So bestätigte Vorstandschef Wolfgang Kirsch am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters einen FTD-Bericht, wonach in dieser Sparte 100 Stellen abgebaut werden. Das ist jeder zehnte Arbeitsplatz in dem Segment. Insgesamt arbeiten bei der DZ Bank rund 4000 Menschen. Kirsch bereitete den Genossenschaftssektor auf weitere kräftige Kostensenkungen vor: "Es wird am Ende wohl auch in unserem Verbund weniger Zweigstellen und Mitarbeiter geben."

Die Kosteneinsparungen sind Teil eines Wettlaufs gegen die Zeit, der jetzt für die DZ Bank beginnt. Ab 2013 treten sukzessive die neuen Eigenkapitalvorschriften Basel III in Kraft, die den Geldhäusern auf Sicht eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent abverlangen. Die DZ Bank liegt zurzeit noch deutlich darunter. Hinzu kommt, dass die Finanzaufsicht BaFin von ihr voraussichtlich einen zusätzlichen Kapitalpuffer fordern wird, weil sie sie als national systemrelevante Bank einstuft.

Da die Frankfurter nicht an der Börse notiert sind, bleiben neben der Senkung der Risiken vor allem zwei Wege, um das Kapital zu stärken: zu thesaurieren, also Gewinne einzubehalten, oder die Eigentümer anzupumpen - das sind in erster Linie Hunderte örtlicher Volks- und Raiffeisenbanken; zudem hält das Düsseldorfer Schwesterinstitut WGZ Bank einen Anteil. Kirsch sagte, es liefen Gespräche mit den Aufsehern dazu, welche Kapitalbestandteile als hartes Kernkapital anerkannt würden. "Dann wissen wir, ob Kapitalbedarf besteht, der nicht durch Thesaurierung gedeckt werden kann." Die Verluste der Leasingtochter seien letztlich allerdings nicht entscheidend für die Frage, ob die DZ Bank frisches Kapital brauche, hieß es in Finanzkreisen: "Das Minus ist zwar schmerzhaft, aber nicht der ausschlaggebende Faktor."

Die Leasingtochter war bis zur Finanzkrise ein steter Ertragsbringer der DZ Bank. 2009 erlitt sie dann erstmalig einen Verlust von 16,7 Mio. Euro, im vergangenen Jahr kam ein Minus von 30,3 Mio. Euro hinzu. Die nun anstehenden Belastungen haben allerdings eine neue Qualität - und könnten ein Indiz dafür sein, dass die Gesellschaft ihre Krise längst nicht durchgestanden hat.

Bei welchen Geschäften genau die Verluste angefallen sind, blieb zunächst unklar. Sicher ist, das vor allem Ungarn betroffen ist. Dort hatte die VR-Leasing vor der Krise das größte Rad gedreht. Anfang 2011 hatte die DZ Bank durchgegriffen und den früheren Norisbank-Chef Theophil Graband zum Vorstandsvorsitzenden der VR-Leasing gemacht. Vor einigen Monaten wurden auch die übrigen Vorstände ausgetauscht. "Graband muss da mit dem Aufräumkommando durch", sagte ein Insider.

  • Aus der FTD vom 08.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler