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Merken   Drucken   03.10.2008, 21:33 Schriftgröße: AAA

Wells-Fargo-Coup bei Wachovia: Citigroup wittert Vertragsbruch  

Eigentlich schien klar, dass die US-Regionalbank bei der Citigroup unterschlüpft. Dass sich jetzt Wells Fargo mit einem deutlich höheren Angebot als Käufer für Wachovia nach vorne drängt, sorgt für Empörung - nicht nur beim einstmals größten Finanzkonzern der Welt. von Astrid Dörner (New York) und Kai Makus (Hamburg)
Um die angeschlagene viertgrößte US-Bank Wachovia  ist überraschend ein Übernahmekampf entbrannt: In einer spektakulären Wende sagte das Unternehmen am Freitag den erst zu Wochenbeginn verkündeten Notverkauf an den Finanzkonzern Citigroup ab und gab stattdessen eine Übernahme durch die Wells Fargo  bekannt - zu einem weit höheren Preis. Im Zuge eines Aktientauschs bewertet das neue Angebot das Wachovia-Papier mit 7 $ - was einem Gesamtwert der Regionalbank von rund 15 Mrd. $ entspricht. Citigroup wollte für Teile der Gruppe - und mit Unterstützung des US-Einlagensicherungsfonds FDIC - lediglich 2,2 Mrd. $ zahlen.
Citigroup  sprach von Vertragsbruch und forderte die beiden Unternehmen auf, das geplante Geschäft sofort abzusagen. Es sei "ein klarer Bruch der exklusiven Einigung zwischen Citi und Wachovia", wetterte der Finanzkonzern. Das Unternehmen erwäge rechtliche Schritte. Nach US-Medienberichten dürfte sich vor allem Konzernchef Vikram Pandit  düpiert fühlen: Er soll von den neuen Gesprächen des Wachovia-Managements erst in der Nacht zum Freitag erfahren haben. Dabei hatte ihn der Wachovia-Chef erst am Donnerstag in New York aufgesucht - offensichtlich, ohne die Gespräche mit Wells Fargo zu erwähnen.
Die Federal Deposit Insurance Corporation stützte am Freitag demonstrativ den ursprünglich auserwählten Käufer: "Wir stehen hinter der Vereinbarung mit Citigroup", stellte FDIC-Chef Sheila Bair klar. Der Einlagensicherungsfonds werde sich "alle Vorschläge anschauen und mit den Regulierern eine Lösung finden, die im öffentlichen Interesse ist", kündigte sie an. Wachovia betonte dagegen, anders als bei einem Geschäft mit Citigroup sei bei einer Übernahme durch Wells Fargo keine staatliche Hilfe nötig.
Rückhalt benötigt Wachovia-Chef Robert Steel  auch bei seinen Aktionären. Und um die wird er kämpfen müssen: In einer Telefonkonferenz mit Analysten zeigte er sich offensichtlich überrascht vom Einspruch der Citigroup. Auf die Frage eines Experten, ob es bereits eine bindende Vereinbarung mit der Citigroup gebe und ob nun Entschädigungszahlungen fällig seien, folgte sekundenlanges Schweigen des Vorstandsvorsitzenden. Dann räumte Steel ein, er könne die Frage nicht beantworten. Schließlich versicherte er: "Wir glauben, der Deal ist solide." Und fügte an: "Wir sind überzeugt, dass diese Transaktion adäquat durchgeführt wird." Die Analysten überzeugte er damit offenbar nicht.

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  • FTD.de, 03.10.2008
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