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Merken   Drucken   11.02.2011, 17:50 Schriftgröße: AAA

Wurzeln der Finanzkrise: Obama zählt Fannie und Freddie an

Die Hypothekenfinanzierer haben zur Blase auf dem US-Immobilienmarkt beigetragen. Die Regierung will sie allmählich abwickeln. Damit gerät der Traum vom Eigenheim für jedermann ins Wanken. von Zacharias Zacharakis, New York und Barbara Schäder  Frankfurt
Die US-Regierung will den Einfluss des Staates auf dem Immobilienmarkt deutlich zurückfahren. Die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae  und Freddie Mac  sollen laut einem am Freitag von Finanzminister Timothy Geithner  vorgelegten Plan verkleinert und "letztlich abgewickelt" werden.
Hilfen der US-Regierung seit Ausbruch der Finanzkrise   Hilfen der US-Regierung seit Ausbruch der Finanzkrise
Fannie Mae und Freddie Mac standen im Zentrum der Finanzkrise. Sie mussten 2008 vom Staat aufgefangen werden, bislang haben sie rund 130 Mrd. Dollar an Steuergeld erhalten. Die Unternehmen sind zwar privatrechtlich organisiert, verfolgen aber einen öffentlichen Auftrag: die Förderung des Hauseigentums. Bisher sind sie zudem Nutznießer einer impliziten Staatsgarantie.
Das bisherige Geschäftsmodell: Sie kaufen Banken Hypotheken ab, bündeln sie zu Wertpapieren und verkaufen sie an Investoren. Die Banken wiederum setzen dadurch Eigenkapital frei und können neue Darlehen ausreichen. Zudem garantieren Fannie Mae und Freddie Mac derzeit für rund 80 Prozent aller in den USA vergebenen Häuserkredite. Bei den neu ausgereichneten Darlehen liegt der Anteil staatlicher Bürgschaften laut Geithner sogar bei 90 Prozent.
Private Anbieter sollen Marktanteile zurückerobern
Private Anbieter haben sich seit der Krise weitgehend aus dem Markt zurückgezogen. Sie sollen nun zurückgeholt werden. Die Aktienkurse privater Hypothekenversicherer schossen nach Veröffentlichung der Regierungspläne in die Höhe: Die Anteilsscheine des Branchenführers Mortgage Guaranty Insurance Corporation (MGIC) und des kleineren Konkurrenten Radian legten jeweils um sechs Prozent zu, Aktien der PMI Group um vier Prozent.
Zahlreiche US-Bürger können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen: ...   Zahlreiche US-Bürger können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen: Zwangsversteigerte Häuser in Chicago
Wie stark sich der Staat tatsächlich vom Häusermarkt zurückzieht, ist aber noch offen. Geithner schlug dem US-Kongress drei Optionen vor. Die radikalste Variante sieht eine vollständige Privatisierung des Häusermarkts vor. Die Regierung würde in diesem Fall nur noch Geringverdiener, Veteranen und Familien in strukturschwachen Gebieten beim Erwerb von Wohneigentum unterstützen. Für die USA wäre das ein Kulturwandel, vergleichbar der Streichung der Eigenheimzulage in Deutschland Anfang 2006.
Ein möglicher Mittelweg wäre, dass die Regierung auch künftig staatliche Bürgschaften zur Absicherung von Hypotheken anbietet, aber in deutlich geringerem Umfang als bislang. Dazu könnte etwa der Garantiezins so stark angehoben werden, dass er nur in Krisenzeiten attraktiv wäre, wenn private Kreditversicherer noch höhere Gebühren verlangen. Der Vorteil einer solchen Lösung wäre nach Auffassung der US-Regierung, dass für den Notfall ein staatliches Sicherungssystem bereitstünde, das nicht neu aufgebaut werden müsste.
Die dritte Variante räumt dem Staat eine weitaus größere Rolle ein. Danach würden private Kreditversicherer zwar das unmittelbare Ausfallrisiko für Hypotheken übernehmen. Sollten diese Privatunternehmen selbst zahlungsunfähig werden, würde aber ein staatlicher Rückversicherer einspringen. Für diese Bürgschaft würde der Staat von den privaten Kreditversicherern Gebühren verlangen, um die Kosten eines Zahlungsausfalls für den Steuerzahler zu begrenzen.

Teil 2: Verbraucherschützer warnen vor Eile

  • FTD.de, 11.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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