Mastercard öffnet seine Datenbanken für umstrittene Werbegeschäfte. Das Kreditkartenunternehmen sammelt und analysiert jährlich Informationen über etwa 34 Milliarden Transaktionen. Nach Informationen der Financial Times können Werbetreibende die daraus gewonnenen Erkenntnisse künftig nutzen, um ihre Onlinewerbung besser auf bestimmte Zielgruppen zu fokussieren. Der Markt für Informationen über Verbraucherverhalten entwickelt sich damit wieder ein Stück weiter, gerät aber gleichzeitig stärker ins Visier von Datenschützern und Politik.
Mastercard hatte schon vergangenes Jahr die Möglichkeit geprüft, Daten zum Einkaufsverhalten im Internet einzelnen Nutzern zuzuordnen. Das Vorhaben scheiterte an den Einschränkungen, denen Finanzdienstleister beim Umgang mit Kundendaten unterliegen. Den neuen Dienst will Mastercard im Februar 2013 starten.
Das Kreditkartenunternehmen analysiert hierzu Milliarden anonymer Transaktionen und gliedert sie in Tausende thematisch geordneter Segmente. Werbetreibende können dann nach Kategorien sortierte Datenpakete kaufen, um die Zielgruppenfokussierung ihrer Werbung zu verbessern oder die Wirkung ihrer Werbemaßnahmen zu messen. So lassen sich zum Beispiel Menschen herausfiltern, deren Ausgaben für Unterhaltungselektronik beim Doppelten oder bei einem Mehrfachen des Durchschnitts liegen, oder solche, die vermutlich in den kommenden 30 Tagen Luxusgüter einkaufen.
"Die Grundlage all unserer Lösungen sind Transaktionsdaten", sagte Susan Grossman, die bei Mastercard für die neue Dienstleistung verantwortlich ist. Man schreibe den Schutz der Privatsphäre des Einzelnen groß; die verkauften Informationen würden gebündelt und anonymisiert, so das Unternehmen. Beim Sammeln der Transaktionsdaten werde einzig die Kreditkartennummer erfasst, nicht der Name des Besitzers oder andere persönliche Angaben. Die Kreditkartennummer wiederum werde entfernt, bevor die Gruppen für zielgerichtete Werbung festgelegt werden.
Mastercard zählt zu einer wachsenden Gruppe von Unternehmen, die die Nachfrage der Werbetreibenden nach möglichst genauen Informationen über Verbraucher und ihre Gewohnheiten bedienen wollen. Durch die verstärkte Nutzung von Computern und Handys können Unternehmen detaillierte Verhaltensprofile entwickeln, die sich auch auf Gewohnheiten außerhalb des Internets erstrecken.