Kreditkartenkonzerne, Mobilfunkbetreiber, Technologie- und Telekomfirmen liefern sich ein Wettrennen um das digitale Portemonnaie der Verbraucher. Ziel ist es, das Bargeld durch die elektronische Brieftasche zu ersetzen. Visa mischt kräftig mit. von Doris Grass, Barcelona
Visa Europe erwartet in den nächsten Jahren ein dramatisches Wachstum bei mobilen Zahlungen. Die europäische Kartenorganisation investiert daher kräftig, um davon zu profitieren. So kündigte Konzernchef Peter Ayliffe im Gespräch mit der Financial Times Deutschland jährliche Ausgaben von 100 Mio. Euro in den kommenden Jahren für die Verzahnung von traditionellen Kartenzahlungen mit mobilen Zahlungen und dem Bezahlen im Internet an.
So kassieren Visa und Mastercard ab
Bis Ende dieses Jahres wird Visa nach Test- und Pilotprojekten in mehreren europäischen Ländern mit der kommerziellen Markteinführung von Zahlungen mit dem Handy beginnen. "Wir haben dafür drei Märkte im Visier", sagte Ayliffe, ohne konkreter zu werden. Dabei betonte der Chef von Visa Europe, dass mobile Zahlungen in Großbritannien und Frankreich sehr schnell weite Verbreitung finden dürften.
Schon jetzt ist Großbritannien führend in Europa bei der Einführung eines Vorläufers von Handyzahlungen: 13 Millionen sogenannte kontaktlose Zahlungskarten, die einfach über ein Lesegerät gehalten werden, sind in Großbritannien im Umlauf. In Europa insgesamt gibt es Ayliffe zufolge 18 Millionen Karten für das kontaktlose Zahlen. "Pro Monat kommen eine Million Karten hinzu, zum Jahresende werden es 30 Millionen sein", sagte Ayliffe der FTD am Rande eines Treffens seiner Mitgliederbanken in Barcelona.
Plastikgeld gehört zum Alltag
Kreditkartenkonzerne, Mobilfunkbetreiber, Technologie- und Telekomfirmen liefern sich gegenwärtig ein Wettrennen um das digitale Portemonnaie der Verbraucher. Ziel ist es, das Bargeld durch die elektronische Brieftasche zu ersetzen. Die meisten technischen Voraussetzungen für eine breite Einführung mobiler Zahlungen sind gegeben: Für Handys gibt es den Funkstandard NFC. Für die Interaktion zwischen Karte oder Chip und dem Abrechnungssystem gilt der Zahlungsstandard EMV. Was noch fehlt, ist ein international einheitlich funktionierendes System und die Infrastruktur bei Banken und Geschäften. Das soll sich nun ändern.
"Die Visa-Lösungen werden weltweit betriebsfähig sein", sagte Ayliffe. Visa arbeitet mit verschiedenen Banken, Telefon- und Mobilfunkkonzernen zusammen. Als größte Konkurrenten sieht Ayliffe auf diesem Markt Konzerne wie Google oder Paypal an. Kooperationen mit Google, Amazon oder Vodafone kann sich Ayliffe aber nur in Form von Markenpartnerschaften, sogenannten Co-Branding-Vereinbarungen, vorstellen: "Wo Visa drin ist, muss auch Visa draufstehen."
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