Die ehemals größte Landesbank in Deutschland ist zerschlagen: Die WestLB verschwindet nach einer langen Kette von Skandalen, Fehlspekulationen und Rangeleien um öffentliche Garantien und Finanzspritzen aus der Bankenlandschaft der Bundesrepublik. Die Pläne für die Aufspaltung der Landesbank wurden am Samstag von den beteiligten Sparkassenverbänden, der Landesregierung, Vertretern des Bundes und der Helaba endgültig abgesegnet.
Das Sparkassengeschäft der WestLB mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro wird zum Stichtag 1. Juli, also morgen, auf die Helaba übertragen. Um die Lastenverteilung und die Umsetzung dieser Transaktion hatten die Beteiligten bis zuletzt gepokert.
Die von Sparkassenverbänden und Landesregierung dominierte WestLB musste in den vergangenen Jahren mehrfach von ihren Eigentümern gerettet werden. Ende Dezember zog die EU-Kommission nach einem jahrelangen Beihilfeverfahren den Schlussstrich unter das Kapitel und ordnete die Zerschlagung der Landesbank zum 1. Juli an. Über die Umsetzung dieses Beschlusses und die damit einhergehende Verteilung von Milliarden-Lasten hatten das Land NRW, der Bund und die Sparkassen über Monate lange und hart verhandelt.
Von der einst so stolzen WestLB bleiben nun neben der auf die Helaba übertragenenen Verbundbank die Bad Bank Erste Abwicklungsanstalt (EAA) und der Finanzdienstleister Portigon. Das neue Unternehmen soll Kunden aus der Finanzindustrie bei der Betreuung oder Abwicklung von komplexen Wertpapier- und Derivate-Portfolios helfen. Es gehört dem Land Nordrhein-Westfalen, das die Kapitaldecke des WestLB-Nachfolgers mit einer Milliarde Euro aufpolstert. Mittelfristig soll der Finanzdienstleister dann vom Land verkauft werden.
Geschäfte und Portfolien mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter der Immobilienfinanzierer WestImmo, gehen auf die Bad Bank über und sollen von ihr abgewickelt werden. Die WestLB-Eigner besiegeln das Ende zudem mit neuen Milliarden-Spritzen: Das Land NRW polstert die Kapitaldecke des neuen Insituts Portigon mit einer Milliarde auf und wird alleiniger Eigentümer. Die Sparkassen steuern eine Milliarde zu der Verbundbank bei - und die Kapitalgeber werden im Gegenzug an der Heleba beteiligt. Bei der EAA stehen Land, Bund und Sparkassen zudem mit Garantien oder Einlagen im Feuer. Bis 2028 soll die Bad Bank das WestLB-Erbe dann abgewickelt haben.