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Merken   Drucken   08.07.2012, 14:01 Schriftgröße: AAA

Zinsmanipulation: Libor-Skandal brockt Deutscher Bank Klage in den USA ein

Dass Investoren gegen die Banken klagen, die den Libor manipuliert haben soll, ist ein normaler Vorgang. Die Deutsche Bank ist aber offenbar so besorgt, dass bereits erste Mitarbeiter freigestellt wurden.

Die Deutsche Bank  sieht sich wegen der mutmaßlichen Zinsmanipulationen durch europäische Banken mit Klagen von Investoren konfrontiert: Eine zum Frankfurter Bankhaus Metzler gehörende Kapitalanlagegesellschaft habe sich in New York an mehreren Sammelklagen gegen die Deutsche Bank und andere Institute beteiligt, die der Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor bezichtigt werden. Das bestätigte ein Metzler-Sprecher am Sonntag, nachdem der "Spiegel" darüber berichtet hatte. "Das machen zurzeit sehr viele Kapitalanlagegesellschaften", sagte er. Dem Magazin zufolge lässt die Deutsche Bank seit Monaten von externen Prüfern untersuchen, ob ihre Händler an Manipulationen beteiligt waren. Zwei Mitarbeiter seien bereits suspendiert worden.

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Die Kapitalanlagegesellschaft des Bankhauses Metzler verwaltet Publikums- und Spezialfonds. Die Beteiligung an den Klagen sei ein normaler Vorgang, sagte der Metzler-Sprecher: "Wir sind verpflichtet, rechtlich vorzugehen, weil wir eine Vermögensbetreuungspflicht für die Fondsanleger haben", stellte er klar.

Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte am Sonntag eine Stellungnahme ab und verwies auf den jüngsten Quartalsbericht. Dort heißt es allgemein, dass das Unternehmen von verschiedenen Behörden in den USA und in Europa um Auskunft "im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen" zwischen 2005 und 2011 gebeten worden sei. Die Deutsche Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

Die Frankfurter Zwillingstürme der Deutschen Bank im Zwielicht   Die Frankfurter Zwillingstürme der Deutschen Bank im Zwielicht

Am Freitag hatte die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit der Sache vertrauten Personen erfahren, dass das größte deutsche Geldhaus Gegenstand einer Sonderprüfung der deutschen Finanzaufsicht BaFin sei. Die Behörde wolle aufklären, ob und wie es eine Verwicklung der Bank in den Skandal um die Festsetzung des Libor gebe. Es handele sich nicht um eine Routineprüfung, hieß es.

Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und soll anzeigen, zu welchen Konditionen sich Banken Geld untereinander leihen. Er basiert auf individuellen Angaben einiger Großbanken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360.000 Mrd. Dollar .

Barclays-Banker "nur die Ersten"?

Den Banken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Gleichzeitig untersuchen die Aufsichtsbehörden mögliche Manipulationen des zweiten in Europa populären Marktzinssatzes, des Euribor. Hier spielen deutsche Banken im internationalen Handel eine größere Rolle. Die Prüfungen sind aber nicht so weit fortgeschritten wie beim Libor.

Über den Libor-Skandal war die gesamte Führungsspitze der britischen Bank Barclays  gestürzt. Zuletzt trat Vorstandschef Bob Diamond zurück. Die Investmentbank muss eine halbe Milliarde Dollar für die von ihr eingeräumten Verfehlungen zahlen. Diamond deutete in einer parlamentarischen Anhörung aber an, dass noch mehr Institute betroffen seien: Barclays habe als erstes Geldhaus umfangreich bei den Ermittlungen geholfen und ein Fehlverhalten eingeräumt, sagte er: "Der Fokus richtet sich in dieser Woche auf Barclays, weil wir die Ersten waren."

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  • Reuters, 08.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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