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Merken   Drucken   23.07.2012, 08:20 Schriftgröße: AAA

Zinsmanipulation: US-Justiz plant Festnahmen im Libor-Skandal

Die im Zusammenhang mit der Manipulation des Libor-Zinses verdächtigten Händler müssen mit einer baldigen Festnahme rechnen. Besonders im Fokus der Ermittler steht auch die Deutsche Bank.

Im Libor-Skandal stehen die US-Staatsanwälte und europäischen Wettbewerbsbehörden kurz vor den ersten Festnahmen von Händlern. Dies sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach haben mehrere Staatsanwälte aus Washington erst kürzlich Kontakt mit den Rechtsvertretern der verdächtigten Personen aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass die Strafanträge und Festnahmen in den nächsten Wochen bevorstehen könnten.

Die im Libor-Skandal verdächtigten Händler müssen mit einer ...   Die im Libor-Skandal verdächtigten Händler müssen mit einer baldigen Festnahme rechnen

Zeitgleich zu den Strafanträgen arbeiten die Wettbewerbsbehörden in der Affäre um Zinsmanipulationen daran, die Großbanken zu überführen und mit Strafen zu belegen. Ein aus Europa stammender Informant sagte, die Geldhäuser hofften darauf, dass die Regulierungsbehörden die Hauptschuld in dem Fehlverhalten einzelner Händler sähen. In Europa konzentrierten sie sich auf einen Ring aus Händlern verschiedener Banken, die offenbar an der Manipulation des Libor und anderer Zinse beteiligt waren.

Weltweit wird gegen mehr als ein Dutzend Großbanken ermittelt, weil sie in der Finanzkrise ab 2007 den Libor (London Interbank Offered Rate) manipuliert haben sollen. Der Libor wurde Mitte der 1980er-Jahre von der British Bankers Association (BBA) ins Leben gerufen. Der Zinssatz wird einmal täglich in London ermittelt und basiert auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Er dient als Basis für Finanztransaktionen im Volumen von mehr als 500.000 Mrd. Dollar - von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten.

Die Aufsichtsbehörden untersuchen derzeit besonders die Rolle der Deutsche Bank sowie von Crédit Agricole, HSBC und Société Générale im Zusammenhang mit der Zinsmanipulation. Nach Informationen der Financial Times gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass der Barclays -Händler Philippe Moryoussef einst einen Ring von Händlern anführte, die bei den vier genannten Banken und möglicherweise weiteren Instituten arbeiteten. Sie sollen ihre Handelsstrategien für Swaps auf Basis des Referenzinssatzes Euribor miteinander abgestimmt haben.

Barclays und andere Banken sollen außerdem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bewusst niedrigere Zinssätze gemeldet haben, um ihre Refinanzierungssituation besser darzustellen, als sie tatsächlich war. Der inzwischen geschasste Barclays-Chef Bob Diamond schilderte die Vorgänge so, dass die Bank of England die Libor-Manipulationen zumindest gebilligt haben soll. Dadurch ist auch die Notenbank unter in Erklärungsnot geraten.

  • FTD.de, 23.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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