Etwa 5500 Arztstellen sind in Deutschland unbesetzt
Seither hilft er dort aus, wo er gerade gebraucht wird - manchmal tageweise, bisweilen auch mehrere Wochen lang. Bis auf ein paar Details seien eigentlich alle Kliniken gleich, sagt Kreber, er müsse immer nur zwei oder drei Feinheiten justieren. Dafür rattert er in jeder neuen Neurologie einen Fragenkatalog ab. Und auch die Bezahlung stimmt: Als Honorararzt kann der 40-jährige Mediziner endlich seine Bafög-Schulden abbezahlen. Seine Bedingungen sind deswegen nicht verhandelbar. "Die Kliniken sind nicht immer glücklich", sagt er, "sie akzeptieren das aber". Seinen richtigen Namen will Kreber nicht in der Zeitung lesen, es könnte hinderlich bei der künftigen Jobsuche sein.
Etwa 5500 Arztstellen seien in Deutschland unbesetzt, schätzt die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Marburger Bund geht sogar von 12.000 offenen Stellen aus. Und der Ärztemangel ist nicht mehr nur ein Problem ostdeutscher Provinzen - sie fehlen überall, auch im Westen.
Schon seit einigen Jahren füllen Honorarärzte diese Lücken. Selbst in Großstädten wie Berlin ist ihr Einsatz Alltag geworden. Ohne sie "wäre in vielen Kliniken kein ordnungsgemäßer Betrieb mehr möglich", sagte Jörg-Dietrich Hoppe, damaliger Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), schon 2009.
Eine Arbeitsgruppe der BÄK präsentierte Ende Mai 2011 erste Zahlen. Demnach arbeiten heute etwa 4000 bis 5000 Honorarärzte aller Fachrichtungen in Praxen, Krankenhäusern oder Rettungsdiensten - mehr als 60 Prozent aller medizinischen Einrichtungen greifen inzwischen auf sie zurück. Ihr Stundenlohn liegt zwischen 25 und 120 Euro und damit oft doppelt so hoch wie der eines Festangestellten. Allerdings müssen sie sich selbst versichern, haben keinerlei Anspruch auf Urlaub und kein Einkommen, wenn sie krank werden. Andererseits: Nur die wenigsten Mediziner können ihre Konditionen so diktieren wie Honorarärzte.