Für Hunold wäre das ein Fiasko. Nicht so sehr wegen der 3,2 Prozent, die er noch an Air Berlin hält. Es geht um viel mehr: sein Lebenswerk, sein Baby. Der Ex-LTU-Manager hat aus der einstigen Mini-Airline mit zwei Fliegern binnen 15 Jahren Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft gemacht. Wachstum um fast jeden Preis - so lautete seine Strategie. Aber die lässt sich nun nicht mehr durchhalten.
Mit mehr als 120 Jets, knapp 8500 Mitarbeitern und gut 28 Millionen Passagieren im Jahr ist Air Berlin der einzige ernst zu nehmende Rivale der Lufthansa in Deutschland. Und verantwortlich dafür ist Joachim Hunold. Er hat Air Berlin im Alleingang groß gemacht. Er hat den Nischenanbieter in einen der führenden deutschen Charterflieger verwandelt, der den lukrativen Shuttleverkehr nach Mallorca kontrolliert. Er hat den Einstieg in den Linienluftverkehr gewagt, er hat sich die Konkurrenten DBA und LTU einverleibt. Und er hat den Konzern im Mai 2006 an der Börse platziert: mit dem Ziel, Air Berlin zu einer global operierenden Gesellschaft zu machen.
Doch mit der Führung einer börsennotierten Airline tut sich der zupackende mittelständische Unternehmer schwer. Hunold, der in den Editorials der Air-Berlin-Bordmagazine gern in die Vollen geht und gegen Gewerkschaftsbosse oder Politiker wettert, lässt im Umgang mit Investoren und Analysten das Fingerspitzengefühl vermissen. Die anfängliche Euphorie an den Märkten ist längst verflogen. Zum Unmut der Aktionäre hat das Management gleich mehrfach binnen wenigen Monaten seine Gewinnziele nach unten korrigiert. "Air Berlin hätte besser kommunizieren müssen, dass der Integrationsprozess mehrere Jahre braucht und man bis dahin keine großen Ergebnissprünge erwarten kann", kritisiert Jürgen Ringbeck, Luftfahrtexperte bei der Unternehmensberatung Booz & Company.