Notgedrungener Bruch mit GrundsatzDeren Rolle bleibt im Dunkeln: Als Präsident der Profecta fungiert Holger Fiebiger, ein Aldi-Vasall aus der Oberpfalz. Weiterer Gesellschafter ist Kaspar Landolt, ein Zürcher Anwalt, spezialisiert auf Wirtschafts- und Unternehmensrecht. "Ich weiß sehr wenig über Profecta, stehe nur in einem Treuhandverhältnis und bin im Verwaltungsrat", sagt Landolt. Sind die drei Herren Strohmänner? Ist die Profecta eine Briefkastenfirma? Landolt weist den Verdacht nicht zurück.
Hätte Profecta keinen Bebauungsplan einreichen müssen, wären Aldis Expansionspläne in der Schweiz nach wie vor ein Geheimnis. So aber musste der öffentlichkeitsscheue Konzern notgedrungen mit seinem Grundsatz brechen, Geschäftsangelegenheiten nicht zu kommunizieren, und engagierte einen Sprecher - eine Position, die im Heimatland der Albrecht-Brüder nicht vorgesehen ist. Sven Bradke soll bei den Eidgenossen um Vertrauen werben. Schließlich entscheiden Stadt- und Gemeinderäte, ob und wo sich die Deutschen ansiedeln dürfen. Der Konzern ist fest entschlossen, die Alpenrepublik aufzumischen. "Hat sich Aldi einmal zur Expansion entschlossen, wird das konsequent umgesetzt", beteuert Bradke.
Der Schritt über die Grenze ist für den Discounter die logische Konsequenz aus der schwierigen Marktlage daheim. In Deutschland stößt Aldi an Wachstumsgrenzen, der Wettbewerb mit Lidl & Co wird immer schärfer. Im Nachbarland hingegen locken Gewinnmargen beinahe so hoch wie der Kakaogehalt Schweizer Schokolade. Viele Dinge des täglichen Bedarfs sind in Basel oder Bern doppelt so teuer wie in Bingen oder Berlin.