Sein Versprechen, den Unternehmenswert deutlich zu steigern, hat Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nicht erfüllt.
Der Mutterkonzern der Karstadt-Warenhäuser und des Quelle-Versands hatte im September in zähen Verhandlungen mit der
Royal Bank of Scotland , der BayernLB und der
Commerzbank Kredite zur Finanzierung der Waren für das Weihnachtsgeschäft ausgehandelt. Binnen Jahresfrist ist der Umsatz von Karstadt um vier Prozent gesunken, und die Geldinstitute tun sich schwer, Arcandor weitere Darlehen zu gewähren. Anfang 2009 klafft eine große Finanzierungslücke.
Infineons früherer Finanzvorstand Rüdiger Andreas Günther, der Diesch nachfolgen soll, ist dem scheidenden Finanzchef seit Anfang der Woche zur Seite gestellt und dürfte sich bis zum Jahresanfang kaum einen Überblick über die Konzernfinanzen verschafft haben. Denn die Finanzakrobatik des Duos Middelhoff-Diesch hat in den vergangenen Jahren regelmäßig gestandene Analysten zur Verzweiflung getrieben. Die Arcandor-Bilanzen seien undurchsichtig, klagen die Wertpapierspezialisten.
Eick kann nach jetzigem Stand erst im März als Retter in die Essener Konzernzentrale einziehen, sein Vertrag mit der Telekom läuft noch bis Ende Februar. Bis dahin muss Arcandor schwierige Wochen durchstehen. Zwar fährt die Mehrheitsbeteiligung
Thomas Cook verlässlich Profite ein. Die Warenhaustochter Karstadt steht aber wieder einmal kurz vor dem Abgrund. Läuft das Weihnachtsgeschäft schlecht, könnten die Kreditverhandlungen in einem Debakel enden. Es sei denn, Arcandor hätte einen Trumpf zu bieten: "Eick muss früher antreten, alles andere ergibt keinen Sinn", sagt ein Unternehmenskenner. Doch das ist bislang nicht in Sicht.
Middelhoff selbst wird sich nicht maßgeblich in die Gespräche einklinken, da sind sich Beobachter sicher. Der frühere Bertelsmann-Chef hat sich immer eher als visionärer Stratege gesehen denn als detailverliebter Zahlenfresser. Rauschende Feste organisieren, überraschende Deals einfädeln, undurchschaubare Finanzierungskonsortien bilden, das ist seine Welt.