Der ehemalige Journalist Stefan Loipfinger spürt Betrügereien bei Spendenorganisationen nach
Loipfinger lehnt sich in seinem braunen Sessel zurück und winkt ab: "Harmlos", sagt er zu diesen Fällen. "Sie zeigen aber: Da ist null Unrechtsbewusstsein." Der 42-Jährige spricht mit oberbayerischem Zungenschlag, ein hochgewachsener, schlanker Mann, auf der Nase eine randlose Brille. Er residiert in Rosenheim im Dachzimmer einer kleinen Bürogemeinschaft mitten in der Fußgängerzone. Hinter seinem Schreibtisch erhebt sich eine hölzerne Schrankwand, darin stapeln sich Dutzende Ordner, allesamt voll mit belastendem Material zu den verschiedensten Organisationen. In harmloseren Beispielen geht es um Missbrauch, in schwerwiegenderen um Betrug. "Diese Fälle", sagt Loipfinger und zeigt hinter sich, "sind ein ganz anderes Kaliber."
Die Summen, um die es geht, sind gewaltig. Insgesamt beträgt das Spendenvolumen in der Bundesrepublik etwa 4,5 Mrd. Euro jährlich. Genaue Zahlen gibt es nicht, nicht einmal eine Veröffentlichungspflicht, trotz des Steuerprivilegs der Gemeinnützigkeit.
Kaum ein Bereich ist so intransparent wie der der gemeinnützigen Vereine - sehr zum Leidwesen der sauber arbeitenden Organisationen, ohne deren Engagement notleidende Menschen und Tiere noch schlechter dastünden. Und der Staat schaut weitgehend macht- und tatenlos zu: Die Spendenpraxis in Deutschland lädt zu Missbrauch und Betrug geradezu ein. Eine Wohltätigkeitsorganisation kann jeder gründen - und je nach Skrupel Millionen einsammeln.