Dossier
Der Skandal um illegal erworbene Daten hat die Branche der Adresshändler in Verruf gebracht. Jahrelang boomte der Markt - und lockte zwielichtige Firmen an. Strengere Gesetze könnten den Todesstoß für die gesamte Branche bedeuten - auch die legalen Anbieter. von Stephan Radomsky (Hamburg)
Dumpz.biz hat mal wieder ein Sonderangebot auf Lager: 2000 Kreditkartennummern aus der EU und Asien, mit einer garantierten Erfolgsquote beim Abräumen der Konten von mindestens 80 Prozent. Heute für nur 14.500 $. Oder doch lieber 1700 Datensätze aus den USA, normale, Gold- und Platinkarten gemischt? Macht 7100 $.
Wer kennt schon Internetseiten wie Dumpz.biz oder Global-dumps.com? Kaum jemand, das haben die vergangenen Wochen gezeigt. Denn was auf diesen professionell gestalteten Seiten verkauft wird, sind keine Accessoires für Bankgeschäfte, sondern Diebesgut. Virtuelles Diebesgut, gestohlen von ahnungslosen Kredit- und EC-Kartenbesitzern. Für eine Mindestorder von 500 $ bekommt hier jeder fremde Kreditkartendaten samt Prüfnummern. Die Onlinehehler ersetzen sogar kostenlos Nummern, die bei Lieferung schon gesperrt sind.
Der Skandal um den illegalen Handel mit persönlichen Daten hat die Republik aufgeschreckt. Wem kann man noch trauen? Wo sicher einkaufen? Damit gerät eine Branche ins Zwielicht, die bisher recht unbehelligt agieren konnte: Unternehmen, die legalen Handel mit Adressen treiben.
Eine Kopie der sichergestellten Original-CD mit 17.000 Kontonummern, die den Datenschutz-Skandal auslöste
Die Händler sind die Rohstofflieferanten im Direktmarketing - dem größten Segment des deutschen Werbemarkts. Sie generieren, filtern und vermitteln anderen Unternehmen Kontakte für eine persönliche Kundenansprache - gezielt nach dem Bedarf des Werbenden und oft ohne ausdrückliche Zustimmung des Verbrauchers.
Nach dem Willen vieler Politiker soll das bald verboten sein. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schwebt dabei eine sogenannte Opt-in-Regelung vor: "Damit Daten zulässig weitergegeben werden dürfen, muss man vorher ausdrücklich und schriftlich eingewilligt haben." Die Datenhändler sind alarmiert: "Wenn das kommt, wäre das der Todesstoß für unsere Branche", fürchtet Bernd Döscher, Geschäftsführer des Adressbrokers Indima Direct. Bisher gilt: Es darf so lange gehandelt werden, bis der Verbraucher widerspricht.
Die Aufregung ist verständlich, denn der Adressenmarkt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2006 lag der Anteil am Werbemarkt laut dem Direktmarketing Monitor der Deutschen Post mit rund 50 Mrd. Euro bei 71 Prozent - 2002 betrug der Wert noch insgesamt 29 Mrd. Euro. Am beliebtesten sind persönlich adressierte Postsendungen, gefolgt vom Telefon- und E-Mail-Marketing. Für all diese Kanäle muss der Werbende aber wissen, wer ein potenzieller Kunde ist, wie er heißt und wie er ihn erreicht.
Der jüngste Skandal in einem Lübecker Callcenter hat nun offenbart, wie heikel die Ware auf dem Datenmarkt doch ist, welche Grauzonen es gibt - und wie bunt es mitunter getrieben wird: Weil er das Geschäftsgebaren seines Chefs nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, übergab der Mitarbeiter Detlef Tiegel den schleswig-holsteinischen Datenschützern eine CD mit 17.000 Kundendaten - samt Kontoverbindungen. Doch es ist nur ein Fall unter vielen.
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