Frankreich hat es wieder einmal geschafft: Mit der Fusion von Gaz de France und Suez formt Nicolas Sarkozy einen Industriegiganten, der Europa das Fürchten lehren soll. Und der Präsident hat bereits das nächste Großprojekt vor Augen. von Lutz Meier und Peggy Hollinger (Paris)
Das Wochenende verbrachte Nicolas Sarkozy wieder einmal in La Lanterne, einem zauberhaften Jagdpavillon im Schlosspark von Versailles. Hier hat er schon große Momente genossen, hierhin zog er sich am Wahlabend zurück, obwohl das Kleinod eigentlich dem Premierminister zusteht. Aber François Fillon hat die Residenz, die sozialistische Vorgänger mit Schwimmbad und Tennisplätzen ausstatten ließen, dem Präsidenten großzügig überlassen.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy
Als Sarkozy an diesem Wochenende nach La Lanterne kam, verflog seine gute Laune schnell. Vertraute berichten, dass das Gesicht des Präsidenten sich verfärbte, als er die Samstagsausgabe der "Le Monde" aufschlug. Stand doch im Wirtschaftsteil der Zzeitung zu lesen, dass er den Vorschlägen von Gérard Mestrallet, dem Chef des Energiekonzerns Suez, zugestimmt habe. Nun endlich könne ein Ausweg aus der Sackgasse gefunden werden. Nun könne Suez mit Gaz de France (GdF) zusammengehen.
Das hatte Sarkozy nicht erwartet. Er persönlich hatte die Fusion doch perfekt gemacht. Nicht er war vor Mestrallet eingeknickt, sondern dieser vor ihm. Wochenlang hatte sich der Suez-Chef geweigert, seine Umweltsparte auszugliedern. Um am vergangenen Donnerstag auf Sarkozys Drängen schließlich doch nachzugeben. Und dann dieser Zeitungsbericht! Sarkozys Mitarbeiter mussten am Sonntag lange arbeiten, um seine Botschaft im ganzen Land zu verbreiten: Der Präsident hat sich durchgesetzt, sonst niemand.
Frankreichs Regierung hat sich einen Industriegiganten gebaut. Man möchte sagen: wieder einmal. Nach 18 Monaten harten Verhandlungen fusionieren Suez und GdF zu einem Konzern mit mehr als 70 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr - und Hauptanteilseigner des neuen Energieriesen ist der Staat. Der Deal ist ein Musterbeispiel für die französische Wirtschaftspolitik. Ein Sieg für Sarkozy und den Protektionismus, ein Schlag ins Gesicht für die Europäische Union und ihre Liberalisierungsbemühungen. Die Franzosen bleiben unter sich, der italienische Wettbewerber Enel, der die Fusion überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte, bleibt außen vor.
"Hier findet knallharte Marktabschottung statt", sagt Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Umwelt und Verkehr beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Was hier passiert, hat Brüssel nicht gewollt. Aber Frankreich hat seine eigenen Regeln." Und die bestimmt Sarkozy. Dem Präsidenten ist es gelungen, der Fusion binnen wenigen Tagen seinen Stempel aufzudrücken. Dabei war ihm das Projekt zunächst gar nicht sympathisch, stammte es doch von seinem Intimfeind, dem ehemaligen Premier Dominique de Villepin.
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Das Drama beginnt mit einem urfranzösischen Reflex: der Abwehr. Der italienische Energieversorger Enel erwägt ein Angebot für Suez. Wenige Tage später kündigt de Villepin einen Fusionsplan für Suez und GdF an. Sarkozy hält sich zunächst zurück - als Wirtschaftsminister hat er allerdings 2005 garantiert, dass der Staatsanteil an GdF nie unter 70 Prozent fallen würde.
Nach seinem Einzug in den Élysée-Palast - der Wahlkampf hatte das Thema zum Stillstand gebracht - schweigt er zum Fall Suez/GdF. Und sondiert im Stillen Alternativen, etwa eine mögliche Fusion der mehrheitlich staatlichen GdF mit dem algerischen Versorger Sonatrach. All dies zerrt gewaltig an den Nerven der Beteiligten.
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