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Merken   Drucken   16.12.2008, 18:48 Schriftgröße: AAA

Agenda: Gestärkte Abwehrkräfte

Dossier Die Liberalisierung des deutschen Apothekenmarkts steht vor dem Aus. Für Celesio wäre dies ein Desaster: Seit Jahren hat der Pharmagroßhändler mit seiner Tochter DocMorris hinter den Kulissen den Angriff geplant. von Lukas Heiny (Hamburg) und Stefanie Kreiss (Stuttgart)
Was musste Fritz Oesterle  in den vergangenen Monaten nicht alles über sich ergehen lassen: Als "Totengräber" haben ihn seine Gegner beschimpft, haben sogar Voodoopuppen gebastelt, um ihn mit Hexerei zu bändigen - und sie haben sich geweigert, Geschäfte mit ihm zu machen. Fritz Oesterle ist Chef des Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio , seine Gegner sind die deutschen Apotheker.
Angriffslustig wie kein zweiter hatte Oesterle immer wieder erklärt, er wolle eine Apothekenkette aufbauen, die den Markt durchschütteln würde. Den Einzelapothekern wurde angst und bange. Nichts schien Oesterle aufhalten zu können, diesen Mann, dessen Unternehmen mehr Umsatz macht als mancher Dax -Konzern. Der über seine Großhandelstochter Gehe bestens in der Branche verdrahtet ist. Der mit mehr als 2300 Apotheken einer der führenden Kettenbetreiber Europas ist.
Fußgänger gehen an einer DocMorris-Apotheke in Saarbrücken vorbei   Fußgänger gehen an einer DocMorris-Apotheke in Saarbrücken vorbei
Und der das Unternehmen DocMorris gekauft hat, um damit das Land zu überrollen, sobald die Gerichte den Markt liberalisieren. Im kommenden Jahr sollte es so weit sein. Die ganze Strategie des Konzerns war darauf ausgerichtet, bald zuzuschlagen. Doch am Dienstag sind all die Pläne und Strategien vorerst in sich zusammengestürzt.
Das Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) um die Zukunft des Milliardenmarkts hat eine überraschende Wendung genommen. Die Europa-Richter sollen die Frage klären, ob auch Kapitalgesellschaften wie Celesio Apotheken betreiben dürfen oder ob das wie bislang nur studierten Pharmazeuten erlaubt ist. Ein Urteil fällen sie erst in drei bis sechs Monaten.
Am Dienstag stellte der Generalanwalt Yves Bot seinen Schlussantrag, dem die Richter meistens folgen. Und Bot befand zur Überraschung der meisten Experten: Nein, das Verbot sei gerechtfertigt, es sichere die Versorgung des jeweiligen Landes.
Für Celesio-Chef Oesterle ist das ein Desaster. In der Konzernzentrale löste die Beurteilung am Dienstag Fassungslosigkeit aus. Auch Marktbeobachter sind erstaunt: "Das ist ein katastrophales Resultat für Celesio", sagt Martin Brunninger, Healthcare-Experte der Londoner Investmentbank Bryan Garnier. An den Börsen brach die Celesio-Aktie am Dienstag um bis zu 15 Prozent ein.

Teil 2: Dramatische Wende vor dem EuGH

  • Aus der FTD vom 17.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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