Die Abgeordneten werden unruhig. Einige bezichtigen Grube später der Falschaussage. "Der Winter ist bei der S-Bahn und der Deutschen Bahn noch nie so gut vorbereitet worden", sagt Grube. Einige Abgeordnete lachen höhnisch. Spätestens da merkt Grube, dass er sie nicht überzeugen kann. Er redet und redet, hilflos jetzt. Bis er einräumt: "Wenn morgen wieder ein Wintereinbruch passiert, wäre es fatal zu sagen, wir sind dagegen gewappnet."
Gleich zweimal muss Grube sich an diesem Montag rechtfertigen: am Vormittag im Berliner Abgeordnetenhaus, am Nachmittag vor der Konferenz der Landesverkehrsminister. Er ist jetzt dort angekommen, wo er nie hinwollte: im gefährlichen Dauerstreit mit der Politik.
Grube wollte es eigentlich anders machen als sein Vorgänger, der Haudegen
Hartmut Mehdorn . Er wollte die vielen Politiker, die dem Bahn-Management fortwährend hineinregieren, durch seine verbindliche Art zu Freunden machen. "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus" war sein Gebot, als er 2009 antrat.
Doch er hat sich verschätzt. Er sei überrascht worden, wie "irre" dieser Job sei, hat er vor Kurzem gesagt. Jeder Ministerpräsident, jeder Bürgermeister erwarte regelmäßige persönliche Besuche. Zu groß ist die Lust der Politiker, auf ihrem Staatsunternehmen herumzuhacken, zu stark sind die Interessenkonflikte um Subventionsmilliarden für die Schiene, zu drastisch das Versagen des Konzerns in diesem Winter, als dass Grube noch mit Volksweisheiten durchkäme. Der Stil des Anti-Mehdorn, die ständigen Entschuldigungen, die dauernden Versprechen reichen nicht mehr. Für Grube selbst wird es inzwischen brenzlig.