Aller Laster Anfang: Seine Geschäftspraktiken haben Thomas Betz vor mehr als zwei Jahren ins Gefängnis gebracht
Gestärkt aus der KriseFür dieses Geständnis, für die zurückliegende U-Haft, gegen eine Strafe von 2,1 Mio. Euro und die Nachzahlung von rund 35 Mio. Euro an den Staat darf Betz Stammheim auf Bewährung verlassen. Und das Erstaunliche an der Geschichte: Der Konzern hat diese Krise nicht nur überlebt. Er steht so gut da wie nie. Die Spedition hat trotz explodierender Spritpreise, die der Branche zu schaffen machen, ihren Umsatz in den vergangenen zwei Jahren jeweils zweistellig gesteigert. Irgendwie hat Betz es geschafft - dank der Solidarität der Mitarbeiter und Meetings im Knast.
Es ist der 22. September 2005, als Betz nach Ankunft aus Sofia am Münchner Flughafen verhaftet wird. Schnell läuft das Krisenmanagement an: Der heute 80-jährige Willi Betz, Gründer des Unternehmens und Vater von Thomas, kommt zurück, um sein Lebenswerk zu retten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kauft der Bauernsohn, gerade 17 Jahre alt, in Undingen, einem Dorf auf der Schwäbischen Alb, einen mit Holzvergaser betriebenen Lastwagen. Die ersten Aufträge - Lebensmittel, Brennholz, Kohlen - fährt er ohne Führerschein. Und von Anfang an geht es aufwärts. In den 50er-Jahren besitzt er bereits fünf Laster, zu Beginn der 60er zehn, in den 70ern ist er der größte deutsche Fuhrunternehmer, und heute ist die Spedition Betz längst die Nummer eins in Europa, mit 8000 Mitarbeitern und 6500 Lkw und Sattelzügen. Im Jahr 2007 setzte Betz rund 900 Mio. Euro um, 2008 soll die Milliarde geschafft werden.