In Deutschland gibt es viele kleine Flughäfen, die eigentlich niemand braucht. Lange Zeit gehörte auch Schwerin-Parchim dazu. Bis ein Chinese mit einer Vision kam. von Nina Klöckner (Parchim)
Und plötzlich springt Jonathan Pang auf, läuft in Tippelschritten um seinen Schreibtisch herum, rupft das Sakko vom Stuhl, streift es über und klopft mit der rechten Hand auf seine linke Brust. Dorthin, wo sein Herz schlägt und nun zwei Abzeichen funkeln, eines von der Stadt Parchim, überreicht vom Bürgermeister, und eines vom Landkreis Parchim, ein Präsent des Landrats. Herr Pang legt den Kopf leicht in den Nacken, macht ein ernstes Gesicht und sagt: "I'm a Parchimer."
Lage des Flughafens Parchim
Das ist natürlich eine Lüge, denn Herr Pang kommt nicht aus West-Mecklenburg, sondern aus der Sieben-Millionen-Stadt Zhengzhou in der ostchinesischen Provinz Henan. Er hat eine große Firma in Peking. Doch seit ein paar Wochen ist er irgendwie auch hier zu Hause, mitten im Nirgendwo zwischen Hamburg und Berlin.
Anfang Juli hat der chinesische Geschäftsmann vom Landkreis den örtlichen Flughafen Schwerin-Parchim gekauft und dazu von der Stadt noch 100 Hektar Land erworben. Herr Pang hat einen Traum.
In den kommenden Jahren soll aus dem verstaubten Provinzflughafen 35 Kilometer südöstlich von Schwerin ein mitteleuropäisches Drehkreuz für den Frachtverkehr werden. Und wenn alles so läuft, wie Pang sich das vorstellt, wird dieses Projekt den Namen Parchim in die Welt hinaustragen und "in den nächsten 20 Jahren Geschichte schreiben".
Es wäre ein Wunder für diese gebeutelte Region, aus der die Menschen lieber davonlaufen, als in sie zu investieren, weil es hier so wenig Hoffnung auf eine Zukunft gibt. Wenn nur die Hälfte wahr werden würde, "wäre es ein riesiger Erfolg", sagt Landrat Klaus-Jürgen Iredi.
Herr Pang hat ein Büro im Landratsamt bekommen. Kurze Wege für den besseren Austausch. Die Sekretärin im Vorzimmer begrüßt den asiatischen Gast morgens in seiner Landessprache, auch was "Danke" heißt, hat sie gelernt.
Hinter der Holztür mit der Nummer 213 hat sich Herr Pang seine Machtzentrale eingerichtet. An der Wand hängt eine gerahmte Botschaft des chinesischen Außenministers, die ihn ermahnt, seinem Land Ehre zu machen. In der Ecke steht ein Holzständer mit drei Fahnen, aus denen sich ein Zehn-Mann-Zelt basteln ließe. Die chinesische, die deutsche und "die europäische", sagt Pang. Die europäische ist die von Mecklenburg-Vorpommern.
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