Ernst ist angemessen10 Uhr. Achenbach sitzt, Middelhoff kommt. "Schönen guten Morgen", sagt der 51-jährige Aufsichtsratschef. Lächelt dem fünf Jahre jüngeren Vorstandschef zu, als die Kameras blitzen. Da sitzen sie nun nebeneinander, der Alte und der Junge. Der Alte: groß, gebräunt, ohne Falten, weit lachend. Der Junge: leicht gebeugt, bleich, verknautscht, ernst.
Ernst ist angemessen. Bekannt Schlechtes hat Achenbach den Aktionären zu verkünden. Die Binnennachfrage ist mau, der Umsatz eingebrochen, das Ergebnis eine Katastrophe. Das muss den Aktionären doch noch mal erklärt werden. Er erklärt es ausführlich, "die Allokation finanzieller Mittel" war "suboptimal", die "Wachstumsdynamik unbefriedigend". Tote, abgelesene Worte, vorgetragen im Bestattertonfall, minutenlang spricht er, ohne Husten, ohne Räuspern, ohne die Stimme zu heben und zu senken. Einmal zittert sie, als er über die "gravierenden Maßnahmen" auf der Personalseite spricht, da spricht er eine Sekunde wie ein Mensch. Sonst steht er da, wie ein Automat, in den jemand Geld geworfen hat, und der nun Worte über Worte ausspuckt, ohne Ende, ohne zu stocken.