Eugen Boss, Juraxx-Geschäftsführer
Wachstum wie von ZauberhandDie Kette wächst indes wie von Zauberhand. Filiale um Filiale wird eröffnet, in bester Innenstadtlage, versteht sich, um Laufkunden abzufangen. Bald sind es 33 Zweigstellen, 81 sollen es mal werden. Schließlich will die grüne Kanzlei in allen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern präsent sein. Ende 2006, so heißt es in einer internen Mail, hat Juraxx knapp 300 Arbeitsplätze geschaffen.
"Anwalt geht auch anders", verspricht Eugen Boss in einer Präsentation nicht nur seinen Kunden, sondern vor allem den Anwälten. Gezielt werden Berufseinsteiger wie E. angesprochen. Das Juraxx-Angebot ist verlockend: Auf dem Anwaltsmarkt tobt ein Konkurrenzkampf, den es so noch nie gegeben hat. Mehr als 140.000 zugelassene Anwälte, eine Rekordzahl, streiten sich in Deutschland um die Mandate. Manch einer geht darüber pleite. Dann kommt Juraxx. Und verspricht jedem Berufseinsteiger, dass er "bei Juraxx vom ersten Tag an seine private Existenz gesichert hat".
Shahryar E. , Jahrgang 1968, wird neugierig. Er hat lange an der Universität gearbeitet, ist sogar promoviert, als Strafrechtler. Nun will er raus, richtig arbeiten, als Anwalt. Auf einer Jobmesse bewirbt er sich Mitte des vergangenen Jahres bei Juraxx, im Dezember wird er in die Dortmunder Zentrale eingeladen. Am Ende des Vorstellungsgesprächs wird ihm bereits ein "Partnerschaftsvertrag" in die Hand gedrückt. Er kann also anfangen. Nicht als ordinärer Anwalt - nein, gleich als Partner. In anderen Kanzleien wartet man Jahre auf diese Position, manchmal auch umsonst. Man wird damit eine Art Kanzleimiteigentümer. Gratis ist das nicht. Im Gegenzug verlangt Juraxx ein Gesellschafterdarlehen von 50.000 Euro.