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Merken   Drucken   22.02.2010, 21:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Pilotprojekt mit Kranich

Das Chaos ist ausgeblieben, die Flughäfen waren trotzdem lahmgelegt. Der Streik der Piloten war kein normaler Arbeitskampf. Trotz vorläufigem Streikende geht es um die Selbstfindung eines Berufsstands: Die Piloten sind weiter entschlossen, den Kurs ihres Konzerns mitzubestimmen. von Jennifer Lachman  Hamburg und Klaus Max Smolka  Frankfurt
Frankfurter Flughafen, Tor 21, neben einer Tankstelle. Es ist früh, grau, es regnet. Einige Hundert Piloten versammeln sich, fast alle in dunkelblauen Regenjacken und mit Pilotenmützen auf den Köpfen. "Wo Lufthansa draufsteht, muss Lufthansa drin sein", steht auf einem Plakat. "Wir lassen uns nicht verkaufen!", auf einem anderen.
Kaum einer will reden, sie haben einen Maulkorb bekommen. Nur Axel Stiller, ein Pilot mit stattlicher Statur, ein Kapitän, der weltweit Langstrecken fliegt, sagt etwas. Ihn sorgt vor allem die Strategie der Lufthansa  zur Auslagerung. Er verweist auf Zugeständnisse der Piloten, über die teilweise nie berichtet werde: die angebotene Nullrunde, der variable Gehaltsanteil, der auf null gefahren worden sei.
Doch an diesem Tag interessiert sich keiner am Flughafen für Gehaltstabellen und Zugeständnisse. Die Herren der Lüfte, heute bleiben sie am Boden. Es sind nur 500 Mann, aber es sind genug, um einen Betrieb mit 110.000 Mitarbeitern lahmzulegen - und ein ganzes Land gleich mit.
Das befürchtete Chaos an den Flughäfen bleibt zwar aus - Passagiere werden teils auf andere Fluggesellschaften oder auf die Bahn umgebucht. An den Flughäfen bilden sich seit dem Morgen trotzdem lange Schlangen. Die Zahl der Flüge halbiert sich fast. Zehntausende Passagiere sind betroffen. "Es ist das Dramatischste, was wir je im deutschen Luftverkehr erlebt haben", sagt ein Lufthansa-Sprecher.
Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer (r.)  mit Lufthansa-Chef ...   Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer (r.) mit Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und Stewardessen)
Es ist kein Arbeitskampf wie jeder andere. Es geht nicht um ein paar Tausend Fließbandarbeiter, die ein paar Prozent mehr Lohn haben wollen und deshalb die Maschinen in ihrem Unternehmen stoppen. Es geht auch nicht um die seit Ewigkeiten eingespielten Rituale, die man von Verdi und der IG Metall kennt.
Hier streiten zwei Seiten um Einfluss und Macht, die sich beide als Manager begreifen. Auf der einen Seite, stolz, entschlossen und etwas arrogant, die Piloten, ein Berufsstand der sich neu definiert, der im Unternehmen mitentscheiden will. Auf der anderen Seite, nicht minder entschlossen, zwei Konzernvorstände, die sparen wollen, die um die Zukunft der Lufthansa - und auch um ihre eigene ringen: Christoph Franz, der ehemalige Swiss-Manager und Lufthansa-Vizechef, und Stefan Lauer, Personalvorstand. Franz gilt als Kronprinz, doch auch Lauer werden Ambitionen auf die Nachfolge von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber nachgesagt.

Teil 2: Demonstration der Entschlossenheit

  • Aus der FTD vom 23.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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