RAG-Chef Werner Müller
Werner Müllers Schweigen ist beredt. Beim diesjährigen Deutschen Steinkohletag im Herbst bleibt der Präsident des Gesamtverbands des deutschen Steinkohlebergbaus und Vorstandschef des RAG-Konzerns auffällig unauffällig. Wolfgang Clement, Müllers Nachfolger als Wirtschaftsminister, absolviert einen seiner letzten Auftritte im Amt. Der Minister legt sich noch einmal mächtig ins Zeug für die Kohlefunktionäre: "Der Gedanke an einen Ausstieg aus der heimischen Steinkohle erscheint mir abwegig", ruft er ins Auditorium. "Wir sollten das auch nicht tun", schiebt er nach. Und erntet brausenden Beifall.
Verbandschef Müller dagegen hält sich zurück. Auf den Applaus der alten Kohleindustrie scheint er keinen Wert zu legen. Er missachtet das alte Ritual, sich zur Kohleförderung zu bekennen. So zurückhaltend ist er sonst nie, wenn es um die Kohle geht.
Seit am Montag weiß man, warum: Müller stand womöglich zum letzten Mal bei einem Steinkohletag auf dem Podium. Denn am Montag ist er seinem großen Ziel einen wichtigen Schritt näher gekommen: RAG von der hoch defizitären, hoch subventionierten Kohle zu trennen und den übrig gebliebenen Mischkonzern an die Börse zu bringen. Zu einem "strotznormalen Konzern" will Müller RAG umbauen, wie er es ausdrückt.