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Merken   Drucken   04.12.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Thilo Bode schmeckt's nicht

Dossier Der legendäre Chef von Greenpeace ist Kopf von Foodwatch. Er hat große Ziele: Das Start-Up soll zu einer schlagkräftigen Kampagnenmaschine werden. So kämpft er gegen McDonald's, Nestlé und Schuhbecks Schummelsuppe. von Nicole Basel  Berlin
Eigentlich kann man Thilo Bode recht leicht glücklich machen. An diesem Mittwoch, Ende November übernimmt das ein kleiner Mann mit rundem Bauch und bunter Fliege. Er ist Koch und besucht, genau wie Bode, einen Kongress über gute Ernährung. Es gibt Häppchen und freundliche Reden. Bode ist leicht gelangweilt. Doch dann fängt der Fliegenträger an, über einen Kochkollegen zu lästern: Die Suppe vom "Fonsi" - zum Wegschmeißen sei die. "Du, Fonsi", habe er zu dem Kollegen gesagt: "Du bist die größte Gastronomiehure."
Plötzlich ist Bode ganz da. "Kann man Sie damit zitieren?", fragt er. Der kleine Fliegenmann guckt verdattert, die Leute glotzen. "Herrlich", sagt Bode. "Das kommt gleich auf die Homepage von Foodwatch."
Mit seiner Organisation Foodwatch kämpft Thilo Bode gegen das Gift ...   Mit seiner Organisation Foodwatch kämpft Thilo Bode gegen das Gift im Essen
Der Mann mit der Fliege ist Siegfried Schaber, ein Spitzenkoch, und der Fonsi, dem er gerade Käuflichkeit unterstellt hat, ist Alfons Schuhbeck, der Fernsehkoch, der auch Werbung für eine Dosensuppe macht.
"Ein Schrottprodukt", sagt Bode. Seine Organisation Foodwatch hat die vermeintliche Feinschmeckersuppe untersucht. Ergebnis: Echtes Gemüse konnten sie in der Dose kaum finden, dafür Salz, Zucker, Gewürze, Tomatenmark, Geschmacksverstärker. "Nichts anderes als eine Tütensuppe", sagt Bode, "nur dreimal so teuer."
Thilo Bode, 62 Jahre alt, ist ein Mann mit Ideen und einer Ähnlichkeit mit Helmut Schmidt. Ein ruhiger Typ, manche sagen, er sei spröde. Wenn er sich aufregt, etwa über miese Suppen, dann so unnatürlich erregungslos, dass man ihn schütteln möchte. Seine Körpersprache ist so dermaßen unterentwickelt, dass er schon wieder fasziniert. Eine Schlaftablette, könnte man meinen. Doch der Mann ist einer der erfolgreichsten Aktivisten in Deutschland.
Zwölf Jahre war Bode Geschäftsführer bei Greenpeace, bis 2001, bis es für ihn dort "nichts mehr zu tun gab". Die Organisation, diese dominierende Kampagnenmaschine der 80er- und 90er-Jahre, hatte ihre Wucht verloren. Sie hatte die Hoheit über das Megathema Umweltschutz an die Politik verloren. Nun suchte Bode ein neues, unbesetztes Thema - und fand: Gift im Essen.

Teil 2: Expansion ins Ausland

  • Aus der FTD vom 04.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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