Tödliche BedrohungWie gefährlich der Stoff ist, zeigt sich derzeit in Panama: In dem mittelamerikanischen Land war Diethylenglykol in Hustensaft und blutdrucksenkende Medikamente gepantscht worden. 100 Tote sind bislang offiziell bestätigt worden, die meisten von ihnen Kinder - qualvoll verendet, nachdem erst ihre Nieren und dann das zentrale Nervensystem versagten.
Nun lauert die Bedrohung auch in den amerikanischen Regalen - und die Behörden schlagen Alarm. Denn Colgate ist kein Einzelfall. Er führt drastisch vor Augen, wie komplex und undurchsichtig die Zulieferketten für Lebensmittel, Konsumgüter und Medikamente in den vergangenen Jahren geworden sind. "Vielen war bislang gar nicht bewusst, dass Essen und Arzneimittel bisweilen ganze Irrwege von der anderen Seite des Globus hinter sich haben", sagt Michael Hansen, Chefwissenschaftler für Nahrungsmittelsicherheit bei der Verbraucherschutzorganisation Consumers Union.
Der Wert der Nahrungsmittelimporte aus China in die USA ist seit 2003 um 19 Mrd. $ auf 64 Mrd. $ gestiegen. Neben exotischem Obst oder Gemüse stammt inzwischen auch der Großteil von Roh- und Inhaltsstoffen aus dem Ausland - und dort vor allem aus Asien. So stellt China 80 Prozent des weltweiten Verbrauchs an künstlich hergestelltem Vitamin C her. Führend ist die Volksrepublik auch bei den Stoffen Weizengluten und Sojalecithin, die sich in fast allen Lebensmitteln finden, von Schokolade über Margarine bis hin zu Brotteig.
Lieferkette gleicht einem Krimi
Üblicherweise bestellen Konzerne bei den Lieferanten, die am günstigsten produzieren. "Bedenklich wird diese Entwicklung jedoch dadurch, dass es bei vielen chinesischen Produzenten keine oder schlechte Kontrollen gibt", sagt Hansen. Im globalen Kampf um die Aufträge wird um jeden Cent gefeilscht - und dann geschlampt und gepanscht. Im Frühjahr etwa sind Tausende von Katzen und Hunden in den USA gestorben, weil ihr Futter mit verseuchtem Weizengluten aus China versetzt war.
Die amerikanischen Inspektoren sind überfordert. Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen dürfen sie nicht vor Ort prüfen, sondern erst, wenn die Lieferung schon in den amerikanischen Häfen und Flughäfen eingetroffen ist. Doch selbst hier kommen die Beamten nicht nach: Gerade einmal 650 Inspekteure beschäftigt die dem US-Gesundheitsministerium unterstellte Behörde Food and Drugs Administration (FDA), zwölf Prozent weniger als noch vor drei Jahren. "Es ist paradox", sagt Hansen: "In dem Maß, in dem die Importe zunehmen, sparen wir an den Kontrollen." Inzwischen werden weniger als ein Prozent aller Lebensmittelimporte in die USA untersucht.