"Wir werden jeden Kilometer Schiene unter dem Einfluss des Volkes halten", ruft der Sachse ins Plenum. Unruhe macht sich breit. "Der Bund bleibt Eigentümer des Netzes." Das ungläubige Gemurre wird lauter. "Ich weiß, dass in der Bevölkerung viel Unsicherheit besteht." Der Unmut kippt in höhnischen Applaus.
Die Opposition hat gut lachen. Es ist ein surreales Schauspiel, das in diesen Tagen in Berlin aufgeführt wird: SPD und Union haben einen Gesetzesentwurf zur Privatisierung der Deutschen Bahn eingebracht, den selbst ihre eigenen Abgeordneten zum Teil für verfehlt halten: Der Bund soll das juristische Eigentum am Schienennetz erhalten, die Bahn aber auf mindestens 15 Jahre die wirtschaftlichen Nutzungsrechte, so lautet Tiefensees Konzept. "Völlig verkorkst" sei dieser Entwurf, kritisieren Politiker der Großen Koalition hinter vorgehaltener Hand. Und der SPD-Verkehrsexperte Hermann Scheer beerdigt sogar öffentlich den Entwurf seines eigenen Parteikollegen. "Der Versuch, die Privatisierung im Hauruckverfahren durchzuziehen, ist gescheitert", sagt er nach der Plenarsitzung am Freitag.