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  FTD-Serie: Die Steueraffäre

Klaus Zumwinkel ist laut Staatsanwaltschaft nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen. Ermittler sprechen von einem "Steuerskandal von historischem Ausmaß". Die FTD-Serie hält Sie auf dem Laufenden.

Merken   Drucken   14.02.2008, 22:31 Schriftgröße: AAA

Agenda: Zumwinkels Post-Geheimnis

Dossier Seit Monaten bereitet Post-Chef Klaus Zumwinkel seinen glanzvollen Abgang vor. Nun wird er verdächtigt, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Egal, ob sich die Vorwürfe bestätigen oder nicht: Seine Karriere dürfte unrühmlich zu Ende gehen. von Ulf Brychcy, Jörn Paterak (Hamburg) und Patrick Hagen (Köln)
Die Sonne ist noch nicht über dem Siebengebirge aufgegangen, als die Katastrophe über die Post hereinbricht. Kurz nach sieben Uhr fahren am Donnerstag Zivilfahrzeuge der Polizei vorm gläsernen Posttower in Bonn vor. Beamte der Staatsanwaltschaft Bochum betreten durch die Drehtür das Foyer und zeigen ihre Dienstausweise vor. So früh am Morgen ist das Hochhaus noch weitgehend leer, auch vom Post -Vorstand sitzt noch niemand an seinem Schreibtisch. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes geleiten die Beamten in die 40. Etage, wo Konzernchef Klaus Zumwinkel  sein weitläufiges Büro hat.
25 Kilometer rheinabwärts, im Kölner Stadtteil Marienburg, sind zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls Ermittler im Einsatz. Sie klingeln an der Tür von Zumwinkels Villa in der Mehlemer Straße und werden eine Weile später eingelassen. Das Licht im Haus geht an, die Vorhänge werden zugezogen. Später treffen zwei Anwälte ein, die Straße wird abgesperrt. "Falls wir Maßnahmen treffen müssen", sagt eine Polizistin vieldeutig. Um viertel nach zwölf schließlich verlässt Zumwinkel mit seinem Anwalt und zwei Frauen die Villa und steigt in eine silberne Limousine, die in der Einfahrt steht. Kameras, Scheinwerfer, Mikrofone sind auf den Manager gerichtet, der rasch einsteigt und davonbraust - nach Bochum zur Staatsanwaltschaft.
Die morgendliche Razzia in Bonn und Köln dürfte das Ende von Zumwinkels Karriere bedeuten. Seit Monaten bereitet der Topmanager seinen glanzvollen Abschied vom Vorstandsvorsitz vor. Versucht Problemsparten wie das marode US-Expressgeschäft zu sanieren und das Portfolio durch eine Fusion der Postbank mit einem anderen Geldinstitut zu ordnen. Alles deutete darauf hin, dass der 64-Jährige spätestens zum Jahresende geräuschlos an die Spitze des Aufsichtsrats wechselt, um weiterhin die Strippen zu ziehen. Bis Donnerstag , als sein Name plötzlich in einem Atemzug mit dem bösen Wort "Steuerhinterziehung" genannt wurde.
Bilderserie Bilderserie: Auf Kriegsfuß mit der Steuer
Es sind nur ein paar Sätze, die ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mittags mitteilt: Zumwinkel stehe im Verdacht, Steuern in Höhe von rund 1 Mio. Euro hinterzogen zu haben. Es sei Haftbefehl erlassen worden. Da Zumwinkel aber Angaben zur Sache gemacht habe, sei der Haftbefehl gegen eine "Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe" außer Vollzug gesetzt worden.
Klaus Zumwinkel - ein Steuersünder? Ausgerechnet Deutschlands dienstältester Chef eines Dax-Konzerns, Manager des Jahres 2003, brillanter politischer Netzwerker? Die Vorwürfe wiegen schwer: Der Konzernchef soll das Geld mithilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein am Fiskus vorbeigeschleust haben - angeblich schon seit Mitte der 80er-Jahre.
Laut "Süddeutscher Zeitung" hat der Bundesnachrichtendienst einen Informanten, der im vergangenen Jahr Interna über Zumwinkel anbot, an die Wuppertaler Steuerfahndung vermittelt. Der Informant soll Material über das Steuersparmodell des Managers bei einem Vaduzer Geldinstitut mitgebracht haben. Die Oberfinanzdirektion Rheinland habe daraufhin im August eine Sondergruppe von Prüfern auf den Fall angesetzt. Zumwinkels Steuerakte und Berichte von Betriebsprüfern seien angefordert worden. In den Akten habe es keinen Hinweis auf ein Konto in Vaduz oder Einkünfte aus einer Stiftung gegeben. Hinweis auf eine ordnungsgemäße Versteuerung des Liechtensteiner Vermögens, das rund 10 Mio. Euro betragen soll - Fehlanzeige.

Teil 2: Zumwinkel, der Korrekte

  • Aus der FTD vom 15.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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