Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin streicht ab dem Winterflugplan massiv Verbindungen von und nach Hamburg. Das bestätigte eine Sprecherin des Flughafens der FTD. Aufs Jahr gerechnet fielen dadurch voraussichtlich 4000 Flüge nach und aus der Hansestadt weg. Air Berlin wollte sich im Laufe des Tages zu dem Thema äußern, hieß es dort auf Anfrage.
Auch in Stuttgart kürzt Air Berlin das Angebot. Nach Angaben eines Flughafensprechers nimmt die Fluglinie ab Herbst die Verbindung von dort nach Barcelona aus dem Programm. Auf der Website von Air Berlin war die Verbindung für Termine im Oktober am Dienstag nicht buchbar.
Die Air-Berlin-Aktie gab bis zum Mittag um 1,8 Prozent auf 1,77 Euro nach - während die des Konkurrenten Lufthansa um knapp 1,2 Prozent auf 9,55 Euro zulegte.
Für Hamburg-Fuhlsbüttel bedeutet das verringerte Angebot der Airline nach Einschätzung des Flughafens, dass pro Jahr eine halbe Million Gäste weniger über den Airport der Hansestadt befördert werden. Zum Vergleich: 2011 nutzten 13,5 Millionen Fluggäste den Hamburger Flughafen, für dieses Jahr werden nach bisherigen Planungen 14 Millionen erwartet.
Air Berlin ist nach der Lufthansa zweitwichtigster Anbieter von Verbindungen aus der Hansestadt. Die Entscheidung zeigt, dass Air-Berlin-Chef Mehdorn sein Sparprogramm verschärft. Mehdorn ist fest entschlossen, das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Anfang Juni hatte der Manager das Ziel für das aktuelle Kostensenkungsprogramm um 25 Mio. Euro auf 225 Mio. Euro erhöht.
Wegen des Sparkurses habe der Hamburger Flughafen schon damit gerechnet, dass die Airline Verbindungen streichen könnte, sagte die Airport-Sprecherin. Allerdings habe es keine konkreten Anzeichen dafür gegeben. Denn Mehdorn habe kürzlich in einem Interview sogar noch die Bedeutung Hamburgs für Air Berlin betont. Der Hamburger Airport sei von der geplanten Ausdünnung des Flugplans nicht informiert worden. Erst die Streckenplaner des Airports, die routinemäßig ständig Verbindungen im Internet abfragen, hätten die Entscheidung von Air Berlin entdeckt.
Wegen der Entscheidung herrscht seit dem 1. Juli am Hamburger Airport ein Einstellungsstopp bis Ende des Jahres. Eingestellt werde nur noch, wenn wichtige Positionen nachbesetzt werden müssen, sagte die Sprecherin.
Flughafenchef Michael Eggenschwiler ist entsprechend schlecht zu sprechen auf die Haupstadt-Fluglinie. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Erst kürzlich betonte Hartmut Mehdorn die große Bedeutung Hamburgs für Air Berlin. Kurz darauf werden gute Strecken ohne vorherige Konsultation mit der Geschäftsführung gestrichen." Laut der Airport-Sprecherin herrscht zwischen dem Management des Flughafens und der Airline derzeit Funkstille.
Konkret streicht Air Berlin ab Oktober die Verbindungen von Hamburg nach Zürich und Barcelona. Auch das stößt auf Verwunderung bei dem Flughafen. "Gerade Zürich und Barcelona" sind starke Strecken", sagte die Sprecherin. Allerdings würden sie auch noch von anderen Fluglinien von der Hansestadt aus bedient.
Betroffen sind zudem Karlsruhe und teilweise Nürnberg. Der Hamburger Flughafen hofft jetzt, dass ab dem Winterflugplan eine andere Airline die Route nach Karlsruhe bedient. Darüber gebe es konkrete Verhandlungen.
Im vergangenen Jahr hatte Air Berlin schon die Strecke nach Köln aus der Metropole im Norden gestrichen und die bei Geschäftsreisenden extrem beliebte und für die Fluglinie prestigeträchtige Verbindung nach Frankfurt.
Der seit vergangenen September amtierende Air-Berlin-Chef Mehdorn streicht nach dem Expansionskurs seines Vorgängers Joachim Hunold Strecken und spart Kosten. Ein neuer Billigtarif ab dem 1. Juli soll beispielsweise mehr Kunden anlocken.
Doch aktuell läuft das Geschäft nicht besonders gut. Für Juni - und damit ausgerechnet im wichtigen Sommergeschäft - hatte die Fluglinie einen Passagierrückgang verkraften müssen. Mit rund 3,3 Millionen Fluggästen beförderte Air Berlin fünf Prozent weniger Passagiere als im Vorjahresmonat. Die Auslastung sank um einen Prozentpunkt auf 79 Prozent.
Air Berlin leidet unter anderem darunter, dass die Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens verschoben wurde. Denn die Fluglinie hatte zahlreiche neue Verbindungen von dort aus geplant. Mehdorn fordert Schadensersatz von der Betreibergesellschaft des neuen Airports, der ursprünglich Anfang Juni den Betrieb aufnehmen sollte. Derzeit wird der Flugverkehr weiter über die alten Flughäfen Tegel und Schönefeld abgewickelt. Mehdorn sagte jüngst in einem Interview, er bezweifle, dass der neue Berliner Großflughafen im März 2013 starten könne.