Der Konzern verbraucht für den Betrieb von Zügen und des Schienennetzes die enorme Menge von zwölf Terawattstunden jährlich - so viel wie Hamburg im gleichen Zeitraum. Die Verknappung und Verteuerung des Angebots durch die AKW-Abschaltungen beeinflusst daher sowohl die Energieversorgung als auch die Stromrechnung der Bahn massiv. In der Folge ist auch ein Preisanstieg beim sogenannten Bahnstrom für Züge absehbar, den DB-Wettbewerber wie Veolia und Keolis bei dem Konzern kaufen müssen.
Der Bahnstrom hat eine andere Frequenz als der übliche Drehstrom. Neckarwestheim I und II sind die einzigen deutschen AKW, in denen Atomenergie in Bahnstrom umgerichtet werden kann. Daher ist das Aus für Neckarwestheim I ein Schlag für die Bahn, die 22 Prozent ihres Bedarfs aus Atomkraft deckt. Das Unternehmen prüft, ob es nun neue Umrichterwerke bauen muss, um andere Kraftwerke anzapfen zu können. Ein Umrichterwerk, das gerade in Neckarwestheim entsteht, kostet allein 46 Mio. Euro.
Mit dem Ausfall von Neckarwestheim I hat die Bahn Erfahrungen: 2010 stand der Reaktor monatelang still. Nun muss der Ausfall aber in einer Situation ausgeglichen werden, in der Atomstrom insgesamt knapper wird. Bei der Bahn hofft man, dass die Reservepuffer in bestehenden Lieferverträgen aus fossiler und alternativer Energieerzeugung dafür ausreichen.
Aus DB-internen Unterlagen von 2010 geht hervor, dass die damals beschlossene Laufzeitverlängerung für AKW dem Unternehmen bis 2015 einen Extragewinn in dreistelliger Millionenhöhe beschert hätte. Zumindest ein Teil davon entfällt jetzt. Dennoch gibt sich Bahn-Chef Grube als Unterstützer der AKW-Abschaltungen: "Wenn es möglich wäre, würde ich morgen die Kernkraftwerke abschalten, aber das geht nicht", sagte er. Die japanische Katastrophe lehre, dass die Wende hin zu erneuerbaren Energien schneller angepackt werden müsse. Noch 2010 hatte er in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel einen langsameren Umbau gefordert.