Schuld ist der Zahnwurm. Ottomar Heinsius von Mayenburg hört den Satz fast täglich, er stinkt ihm gewaltig. Mehr noch stinkt ihm der Mundgeruch derjenigen, die ihn sagen. In Mayenburgs Löwen-Apotheke kauft Dresdens bessere Gesellschaft ihre Pillen und Pülverchen. Die Gesundheit ist den Damen und Herren enorm wichtig. Saubere Zähne aber sind Anfang des 20. Jahrhunderts Nebensache, ihr faules Gebiss schieben die Menschen auf einen vermeintlichen Zahnwurm. "Eine böse Sache, Herr von Mayenburg, was soll man da schon machen?"
Anfangen, eure Zähne zu putzen, denkt der Apotheker. Doch womit? Zahnseife ist zwar schon auf dem Markt, allerdings gibt es sie nur in einer unpraktischen Dose. Außerdem schmeckt sie fies. Nur mit Mundwasser zu gurgeln, findet Mayenburg, ist für die Zahngesundheit zu wenig. Gleichwohl sieht er beifällig, wie viele Abnehmer Odol findet.
Mit gesunden Zähnen lässt sich gut Geld machen, erkennt Mayenburg und liest sich in die Materie ein. Als er im Frühjahr 1907 in seinem kleinen Labor auf dem Dachboden über der Apotheke neue Cremes und Tinkturen mischt, rührt er zum ersten Mal eine Zahncreme zusammen. Bimssteinpulver, Kalziumkarbonat, Seife, Glyzerin und Kaliumchlorat, dazu eine Spur Minzöl, fertig. Damit die Paste lange haltbar ist und einfach zu benutzen ist, füllt er sie in kleine Metalltuben.