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  FTD-Serie: Die Steueraffäre

Klaus Zumwinkel ist laut Staatsanwaltschaft nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen. Ermittler sprechen von einem "Steuerskandal von historischem Ausmaß". Die FTD-Serie hält Sie auf dem Laufenden.

Merken   Drucken   15.02.2008, 18:43 Schriftgröße: AAA

Appel wird Nachfolger von Zumwinkel

Nach dem Rücktritt von Klaus Zumwinkel wird Frank Appel nach FTD-Informationen den Chefposten der Deutschen Post übernehmen. Das Vorstandsmitglied rückt damit früher an die Spitze als geplant. von Ulf Brychcy (Hamburg)
Der 20-köpfige Aufsichtsrat der Deutschen Post wird am Montag in Bonn zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zusammenkommen, um über die Spitzenpersonalie zu entscheiden. Das erfuhr die FTD aus Regierungskreisen. Zunächst wird das Gremium formell das Rücktrittsgesuch von Postchef Zumwinkel akzeptieren. Zumwinkel wird verdächtigt, in Liechtenstein über mehrere Jahre hinweg Steuern hinterzogen zu haben.
Anschließend wird das Kontrollgremium den 46-jährigen Appel als neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post ernennen. Sowohl die Bundesregierung als auch die traditionell stark bei der Post vertretene Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben sich nach FTD-Informationen bereits für Appel ausgesprochen. Appel ist seit dem Jahr 2000 in führender Position bei der Post und derzeit als Vorstand zuständig für Logistik und internationales Briefgeschäft. Der promovierte Neurobiologe und ehemalige McKinsey-Unternehmensberater wurde bereits seit Mai vergangenen Jahres als Nachfolger von Zumwinkel aufgebaut. Ursprünglich war der Stabwechsel erst für diesen November vorgesehen.
Am Morgen hatte Zumwinkel der Bundesregierung den Rücktritt angeboten, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Freitag in Berlin. Diese werde das Rücktrittsgesuch am Montag bei einer Aufsichtsratssitzung annehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hätten die Entscheidung begrüßt und nichts anderes erwartet.
Auch die Deutsche Post hatte den Rücktritt bestätigt. Zumwinkel ziehe sich auch von dem Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank zurück, teilte das Bonner Unternehmen mit. Er habe dies dem Präsidialausschuss des Post-Aufsichtsrates mitgeteilt. Der Ausschuss schlage dem am Montag tagenden Aufsichtsrat vor, dem Wunsch Zumwinkels "zeitnah" nachzukommen.
Bilderserie Bilderserie: Auf Kriegsfuß mit der Steuer
Merkel kritisierte den Umgang Zumwinkels mit den Vorwürfen der Steuerhinterziehung gegen ihn. Sie habe sich gewünscht, dass Zumwinkel sich öffentlich zu den Vorwürfen äußere, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Es sei für die Post-Mitarbeiter, aber auch für viele Bürger von Interesse, wie er dazu Stellung nehme. Die Kanzlerin sei der Auffassung, dass Einzelfälle wie die Vorwürfe gegen Zumwinkel "Vertrauen kosten".
Heil sieht in Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt
Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 64-jährigen Zumwinkel  vor, am deutschen Fiskus vorbei Geld in Stiftungen in Liechtenstein angelegt zu haben. Fahnder hatten am Donnerstag die Villa und Büros des Postchefs durchsucht.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil ging noch einen Schritt weiter als Merkel: Es müsse Anklage erhoben werden, auch um Abschreckung zu erzielen. Das Strafmaß von zehn Jahren werde bislang nur selten angewandt. Es müsse aber ausgeschöpft werden. Steuerhinterziehung sei kein "Kavaliersdelikt". Er warf Zumwinkel eine unanständige Praxis vor und sprach von "neuen Asozialen", die sich selbst über "Staat und Gesetz" erhoben hätten.
Nach dem Rückzug Zumwinkels als Vorstandschef der Deutschen Post trat er am Freitagabend auch als Chefkontrolleur der Deutschen Telekom  zurück. Auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats werde er seine Mandate als Vorsitzender und Mitglied des Gremiums niederlegen, teilte die Telekom mit. Telekom-Chef René Obermann dankte Zumwinkel in einer Mitteilung für seinen "langjährigen professionellen Einsatz".
Die Börse feierte die Nachricht: Post -Aktien lagen am Freitag zeitweise mit 2,9 Prozent im Plus und notierten bei 22,90 Euro.
Zumwinkel stehen einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge knapp 1,1 Mio. Euro Pension im Jahr zu - fast 90.000 Euro im Monat. Das Blatt berief sich auf den Geschäftsbericht 2006. Das Ruhegeld beziehe sich auf den fixen Teil von Zumwinkels Gehalt, das 2006 bei 1,4 Mio. Euro gelegen habe.
11:41:51 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Deutsche Post 13,31 EUR   -1,19%  -0.16
  • FTD.de, 15.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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