Der 20-köpfige Aufsichtsrat der Deutschen Post wird am Montag in Bonn zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zusammenkommen, um über die Spitzenpersonalie zu entscheiden. Das erfuhr die FTD aus Regierungskreisen. Zunächst wird das Gremium formell das Rücktrittsgesuch von Postchef Zumwinkel akzeptieren. Zumwinkel wird verdächtigt, in Liechtenstein über mehrere Jahre hinweg Steuern hinterzogen zu haben.
Anschließend wird das Kontrollgremium den 46-jährigen Appel als neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post ernennen. Sowohl die Bundesregierung als auch die traditionell stark bei der Post vertretene Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben sich nach FTD-Informationen bereits für Appel ausgesprochen. Appel ist seit dem Jahr 2000 in führender Position bei der Post und derzeit als Vorstand zuständig für Logistik und internationales Briefgeschäft. Der promovierte Neurobiologe und ehemalige McKinsey-Unternehmensberater wurde bereits seit Mai vergangenen Jahres als Nachfolger von Zumwinkel aufgebaut. Ursprünglich war der Stabwechsel erst für diesen November vorgesehen.
Am Morgen hatte Zumwinkel der Bundesregierung den Rücktritt angeboten, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Freitag in Berlin. Diese werde das Rücktrittsgesuch am Montag bei einer Aufsichtsratssitzung annehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hätten die Entscheidung begrüßt und nichts anderes erwartet.
Auch die Deutsche Post hatte den Rücktritt bestätigt. Zumwinkel ziehe sich auch von dem Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank zurück, teilte das Bonner Unternehmen mit. Er habe dies dem Präsidialausschuss des Post-Aufsichtsrates mitgeteilt. Der Ausschuss schlage dem am Montag tagenden Aufsichtsrat vor, dem Wunsch Zumwinkels "zeitnah" nachzukommen.