Es ist ein komplizierter Satz mit einer einfachen Aussage. Ein Satz, der Arcandors Hoffnung auf Hilfe aus dem Deutschlandfonds mit einem Schlag zunichte macht: "Auf Basis der vorläufigen Informationen, die wir haben, hatte Arcandor scheinbar Schwierigkeiten vor dem 1. Juli 2008 und könnte deshalb Beihilfe unter dem vorübergehenden Beihilferahmen nicht in Anspruch nehmen", sagt der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Mit anderen Worten:
Arcandor ist kein Opfer der Finanzkrise, sondern von Missmanagement.
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick aber wird nicht müde zu betonen: "Ohne die Kreditkrise hätten die Banken Geld für die Sanierung gegeben." Die akute Pleitegefahr sei erst nach dem 1. Juli entstanden.
Sicher ist: Ein solides Unternehmen war Arcandor auch vor einem Jahr nicht. Da half auch die Gesundbeterei des damaligen Konzernchefs Thomas Middelhoff nichts, der Ende April vergangenen Jahres vor den Aktionären sprach: "Während wir uns bereits in der Entwicklung nach vorn befinden, wollen uns manche dort noch gar nicht sehen. Aber wir sind definitiv zurück auf der Erfolgsspur", rief er in die Hauptversammlung.
Nicht die erste Existenzkrise
Die Zahlen, sie sprechen eine andere Sprache. Nach jahrelangen Verlusten wies Middelhoff für das Rumpfgeschäftsjahr 2007 bei einem Umsatz von 14,4 Mrd. Euro einen Gewinn in homöopathischer Dosis aus - 16 Mio. Euro. Schlimmer noch: In den beiden Kerngeschäften Karstadt-Warenhäuser und Quelle-Versandhandel verlor das Unternehmen 34 und 73 Mio. Euro.
Gewinn machte nur die Reisetochter Thomas Cook. Und das Working Capital, an dem sich ablesen lässt, wie das Verhältnis von langfristigem Vermögen und kurzfristigen Schulden ist, war negativ. Einer goldenen Bilanzregel zufolge soll der Wert im Plus liegen, weil sonst kurzfristig auslaufende Kredite womöglich nicht zurückgezahlt werden können. Bei Arcandor betrug das Minus am Ende des Geschäftsjahres mehr als 500 Mio. Euro.