Das sagte Mehdorn der "Schwäbischen Zeitung" zufolge am Freitagabend bei einem Auftritt in Lauchheim auf der Schwäbischen Alb. Die Angaben bedeuten, dass der Bahn-Umsatz um elf Prozent gegenüber 2007 zugelegt hat. Beim Gewinn ließ Mehdorn offen, ob er das operative oder das Nettoergebnis meinte. Ein Bahn-Sprecher lehnte eine Präzisierung ab und verwies auf den Jahresabschluss Ende März. Wahrscheinlich ist aber, dass Mehdorn sich auf den operativen Gewinn bezog, da das Konzernergebnis im guten Jahr 2007 1,7 Mrd. Euro betragen hatte und eine weitere Steigerung um 1 Mrd. Euro im vergangenen Jahr angesichts der 2008 begonnenen Rezession kaum möglich scheint. Damit hätte Mehdorn die mit Blick auf den inzwischen gescheiterten Bahn-Börsengang gemachte Prognose verfehlt, dass 2008 ein noch besseres Jahr werde als 2007. Lag der operative Gewinn im Vorjahr noch bei 2,9 Mrd. Euro, beträgt er nun offenbar 2,7 Mrd. Euro.
Bereits seit Herbst wirkt sich die Krise besonders im Schienengüterverkehr massiv aus. Die Transportmengen sollen seitdem um mehr als ein Drittel eingebrochen sein. Unter diesem Eindruck versucht die Bahn nun, die Belastung durch einen schon besiegelten Zukauf im Gütergeschäft zu mindern: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will der Konzern einen Investor mit 49 Prozent an der polnischen Güterbahn PCC beteiligen, die er im Januar erworben hat. Von der Weitergabe eines Anteils war damals nicht die Rede. Der Kaufpreis für PCC liegt laut Konzernkreisen über 400 Mio. Euro, während die Firma nur etwa 350 Mio. Euro umsetzt.
Auch im wichtigen Regionalverkehr hat die Bahn zu kämpfen: 2008 konnte sie im Wettbewerb nur 30 Prozent der ausgeschriebenen Strecken gewinnen. Als Hauptursache gelten die deutlich niedrigeren Lohnkosten der Privatbahnen. Für heute haben die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA, die jüngst ein Einkommensplus von 4,5 Prozent gegen die Bahn durchsetzten, in Berlin zu einer Demonstration gegen Lohndumping im Nahverkehr aufgerufen.
Interne Richtlinie belastet
In der Datenaffäre bleibt Mehdorn unter Druck. Der Konzernvorstand hatte die Revisionsabteilung für die massenhafte und heimliche Kontrolle von Mitarbeitern verantwortlich gemacht und beteuert, nichts gewusst zu haben. Aus einer internen Richtlinie, die der FTD vorliegt, geht jedoch hervor, dass der Leiter der Abteilung Mehdorn "über Revisionsergebnisse von besonderer Bedeutung" zu berichten hatte. FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich griff den Bahn-Chef angesichts zahlreicher Regeln, die eine enge Zusammenarbeit der Revision mit ihm vorsehen, scharf an: Er könne sich nicht damit entschuldigen, von nichts gewusst zu haben. Am Mittwoch berät der Bahn-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung über Konsequenzen der Affäre.