Der Geschäftsbetrieb des Versandhauses Quelle soll in gut einem Monat endgültig ruhen. Nach dem gescheiterten Rettungsversuch würden binnen vier bis sechs Wochen die Lager geräumt sein, gab Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Dienstag in Fürth bekannt. "Wir werden uns sehr bemühen, einen geordneten Ausverkauf zu machen." Einen eigenen Ausverkaufkatalog gebe es allerdings nicht. Vielmehr seien Rabatte im Online-Vertrieb denkbar.
Zur Begründung für die rasante Abwicklung wird bei Unternehmensinsidern darauf verwiesen, dass der Insolvenzverwalter die Bestellungen für den Frühjahr-/Sommerkatalog schon eingestellt hat. "Der Fisch ist über das Haltbarkeitsdatum schon hinaus", hieß es. Die Beschäftigten würden für Oktober ihren letzten Lohn ausbezahlt bekommen und seien bereits zum 1. November freigestellt. "Das ist eine besonders schlimme Art von Pleite", erklärte Görg. Selbst die sonst üblichen Transfergesellschaften zur Qualifizierung der Mitarbeiter werde es voraussichtlich nicht geben.
Der Insolvenzverwalter ließ offen, wie viele Beschäftigte konkret von dem endgültigen Aus für Quelle betroffen sind. Von den zuletzt rund 9000 Quelle-Beschäftigten würden 4000 bis 5000 Stellen wegfallen. Zukunftschancen habe beispielsweise der Quelle Reparaturservice Profectis mit 1100 Beschäftigten, weil er zu einem Großteil auch Fremdaufträge annimmt.
Der Insolvenzverwalter der Quelle-Dachgesellschaft Arcandor hatte im August noch gehofft, über einen Abbau von 3500 der damals 10.500 Quelle-Beschäftigten das Unternehmen für einen Käufer retten zu können.
Für die Karstadt-Warenhäuser des insolventen Quelle-Mutterkonzerns Arcandor sieht Görg dagegen bessere Chancen, einen Investor zu finden. Der Umsatz dort liege über den Planungen. Görg verwies auf die Umsätze bei Quelle, die zuletzt deutlich gesunken waren. Nach Angaben aus Branchenkreisen brachen die Erlöse um bis zu 50 Prozent ein. Aber auch auf der Seite potenzieller Käufer muss sich das Scheitern bereits länger abgezeichnet haben. "Es war schon vor zwei, drei Wochen ersichtlich, dass es kein anständiges Angebot für das Gesamtpaket geben wird", heißt es bei Insidern.
Anfang vergangener Woche habe der Finanzinvestor Texas Pacific Group nochmals einen letzten Vorschlag gemacht: Die Amerikaner boten an, Quelle zusammen mit dem TV-Vertriebskanal HSE 24 für 150 Mio. Euro zu kaufen. "HSE 24 ist aber alleine mehr wert - vor allem, wenn ich keinen Notverkauf mache", so ein Unternehmenskenner. Für HSE 24 und die Spezialversender könne es sinnvoll sein, dass der Insolvenzverwalter sie zunächst fortführe und erst später verkaufe. "In einem Jahr sind die wahrscheinlich mehr wert."
Die jetzt anstehende Herauslösung des Quelle-Auslandsgeschäfts ist Unternehmenskreisen zufolge kein Selbstläufer, weil es eng mit dem Stammgeschäft verknüpft ist. "Wenn der Insolvenzverwalter das Geschäft in Deutschland abstellt, stirbt das Auslandsgeschäft auch."
Auch die Quelle-Kunden sind betroffen. Vermutlich wird das Factoring, das Abtreten der Forderungen aus dem Versandgeschäft, sofort gestoppt. Damit dürfte ab sofort kein Ratenkauf mehr möglich sein.
Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) verteidigte am Dienstag die staatlichen Hilfen für Quelle. In Berliner Regierungskreisen hieß es, dass der gewährte Massekredit über 50 Mio. Euro durch den Bund, Bayern und Sachsen gut abgesichert ist, so dass es praktisch keinen Ausfall gibt.