In allen Filialen würden Fragebögen verwendet, sagte ein für den Bereich Handel zuständiger Gewerkschaftsfunktionär von Verdi der Nachrichtenagentur AP. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, müssen Mitarbeiter das Formular nach krankheitsbedingtem Fehlen zusammen mit einem Vorgesetzen ausfüllen.
Dem Blatt liege der Erfassungsbogen mit der Überschrift "Krankenrückkehrgespräch" vor. Das Formular trage das Firmenlogo und die Namen von Einzelfirmen der Kette. Das Erfassen von Krankheitsdaten habe offensichtlich System, hieß es weiter. Beschäftigte müssten regelmäßig Auskunft geben. Wer wegen Krankheit fehle, werde nach seiner Rückkehr zum Gespräch mit den Vorgesetzten gebeten, zitierte die Zeitung einen Mitarbeiter, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz seinen Namen nicht nennen wolle.
Der Fragebogen werde gemeinsam ausgefüllt und von beiden Gesprächsteilnehmern unterzeichnet. Unter anderem soll der Mitarbeiter dem Bericht zufolge Auskunft geben, ob er wegen "derselben Ursache im laufenden Kalenderjahr bereits krank gewesen" oder "die Genesung vollständig abgeschlossen" sei. Zuletzt war bekanntgeworden, dass das Mercedes-Werk in Bremen und der Discounter Lidl illegal Krankheitsdaten sammelten.
Das Unternehmen mit Sitz in Ulm war am Samstag zunächst nicht zu erreichen. "Die Fragebögen sind schon länger Praxis", sagte der Handelsexperte von Verdi, der namentlich ebenfalls nicht genannt werden wollte. Man müsse davon ausgehen, dass die Daten systematisch erfasst würden. "Sonst würde das keinen Sinn machen", sagte der Funktionär. Besonders problematisch sei, dass die Erfassung weder von einem Datenschutzbeauftragten noch vom Betriebsrat kontrolliert werde - beides gebe es bei Müller nicht.
"Solche Fragebögen sind illegal"
"Solche Fragebögen sind illegal", zitierte die "Süddeutsche" Rainer Dacke vom Verdi-Bezirk Ostwürttemberg-Ulm. Woran ein Beschäftigter leide und ob er wieder vollständig gesund sei, gehe den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an. Dacke liegen laut dem Blatt Hinweise von Mitarbeitern vor, wonach Gespräche zum Krankheitsverlauf bei der Drogeriekette üblich seien. "Viele der Betroffenen trauen sich nicht, solche Auskünfte zu verweigern, obwohl sie wissen, dass dies gesetzlich nicht zulässig ist", sagte Dacke.
Das gezielte Ausforschen und Sammeln von Krankendaten sei im Handel weit verbreitet. Auch beim Müller-Konkurrenten Schlecker führten leitende Angestellte Buch über die Krankheiten ihrer Untergebenen, sagte Dacke laut der Zeitung. Müller beschäftigt insgesamt 22.000 Mitarbeiter und hat in Deutschland 460 Filialen, dazu kommen rund 100 Filialen im europäischen Ausland.