30.10.2009, 15:33
Ausverkauf ab Sonntag: Quelle bläst zur letzten großen Rabattschlacht
18 Millionen Warengüter - das sind rechnerisch 25.000 Paletten oder 1000 Lastwagen: Quelle verabschiedet sich mit einem Paukenschlag und schaltet ab Sonntag um 6 Uhr früh seine Webseiten für den Ausverkauf frei. Fast wäre die Aktion gescheitert.
von Annette Berger
Am Sonntag in aller Frühe startet der große Ausverkauf der Quelle-Läger. Ab 6 Uhr werde die Internetseite mit Rabatten bis zu 30 Prozent freigeschaltet, teilte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Freitag mit. "Alle Ware gibt es, solange der Vorrat reicht", sagte sein Beauftragter für den Versandhandel, Jörg Nerlich. Der Kauf erfolge auf Rechnung mit 14 Tagen Zahlungsfrist, "Ratenzahlung ist nicht mehr möglich".
Technisch sei Quelle dafür gerüstet, sagte Görgs Sprecher FTD.de. "Wir haben jetzt grünes Licht von der IT bekommen". Insgesamt liegen nach Angaben des Insolvenzverwalters 18 Millionen Warengüter auf Lager, das entspreche 25.000 Paletten oder 1000 Lastwagen. "Das ist eine Größenordnung, die auch die DHL auf einen Schlag in Deutschland noch nicht hatte", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters.
Doch nicht nur wegen dieses beachtlichen Stücks Arbeit machte die Logistiksparte der
Deutschen Post am Freitag von sich reden. An dem Logistiker wäre die große Schnäppchenjagd beinahe gescheitert. Denn DHL hatte den Versand für einige Zeit unterbrochen, weil das Unternehmen fürchtete, von Quelle kein Geld zu sehen. Am späten Vormittag dann das Aufatmen am Quelle-Standort Fürth: Die Post teilte mit, Pakete des Traditionsunternehmens wieder befördern zu wolllen.
"Nachdem sichergestellt wurde, dass wir auch für unsere Dienstleistungen bezahlt werden, fahren wir den Service ab heute wieder hoch und erledigen wie gewohnt unsere Leistungen", sagte Post-Chef
Frank Appel. "Wir haben unsere Leistungen eingestellt, um Schaden von unserem Unternehmen abzuwenden."
Görgs Sprecher sagte, die Unterbrechung habe lediglich einige Stunden gedauert. Ob Kunden nun länger auf Quelle-Pakete warten müssten, mochte ein DHL-Sprecher nicht einschätzen.
Ratenzahlung ist bei Quelle nicht mehr möglich
Ein Stopp oder eine Verzögerung der Auslieferung hätte dem insolventen Versandhaus noch einmal einen schweren Schlag versetzt. Die Lagerartikel sollen nun so schnell wie möglich verramscht werden - auch, damit Quelle einen Teil seiner Verbindlichkeiten zurückzahlen kann.
Der deutsche Staat hatte dem Fürther Traditionsunternehmen im Sommer einen Massekredit über 50 Mio. Euro gewährt, damit der überlebenswichtige Katalog gedruckt werden konnte. Pleite ging Quelle dennoch. Bislang geht die Politik davon aus, dieses Geld auch in voller Höhe wiederzubekommen, weil die Rückzahlung eines Massekredits Priorität im Insolvenzverfahren hat.
Früheren Angaben zufolge wird zunächst der Anteil des Bundes von 25 Mio. Euro bevorzugt behandelt. Dann kommen die Bayerische LfA, die 21 Mio. Euro gab, und die Sächsische Aufbaubank mit 4 Mio. Euro.
Quelle-Kartons in Fürth: Zeitweise bleiben sie liegen
Bei seiner Abwicklung stößt Quelle derzeit auf immer neue Hürden. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" droht ein Engpass bei der Finanzierung des laufenden Geschäfts. Die Banken Valovis,
Commerzbank und die Landesbank BayernLB hätten abrupt ihr Engagement beendet. "Mit Bekanntgabe der Liquidation von Quelle am Abend des 19. Oktober war für uns Schluss", sagte Valovis-Chef Robert Gogarten dem Blatt.
Teil 2: Harsche Kritik am Insolvenzverwalter
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FTD.de, 30.10.2009
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