Verlegerin Friede Springer hat sich zu ihrem 70. Geburtstag großzügig gezeigt. Wie der Medienkonzern Axel Springer am Freitag mitteilte, schenkt die Witwe des Verlagsgründers Axel Springer dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner knapp 1,98 Millionen Springer-Aktien im Wert von fast 73 Mio. Euro - ein Anteil am Grundkapital von zwei Prozent. Die Mehrheit am Unternehmen verliert Friede Springer durch diesen Schritt nicht.
Offiziell wollte sich der "Bild"- und "Welt"-Verlag nicht zu der Schenkung äußern, da sie einen "privaten Hintergrund" habe. Einem Insider zufolge will Friede Springer mit diesem Schritt Döpfner, der seit zehn Jahren den Verlag leitet, noch enger ans Unternehmen binden und für Kontinuität sorgen. Döpfner selbst verfügt nun über ein Aktienpaket von 3,26 Prozent und wird damit zweitgrößter Springer-Aktionär nach Friede Springer.
Friede Springer feierte am Mittwoch mit rund 200 Gästen - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel - ihren 70. Geburtstag. Einen Tag zuvor hatte sie die Aktien-Schenkung an Döpfner, die erst am Freitag durch die Pflichtmitteilung öffentlich wurde, auf den Weg gebracht. Der Schlusskurs der Springer-Aktie lag am Dienstag bei 36,825 Euro. Damit entsprach das Präsent einem Wert von exakt 72,869 Millionen Euro. Döpfner überreichte Friede Springer zum Geburtstag einen Gutschein für einen Tango-Kurs.
Bereits im Juli 2006 hatte der promovierte Musikwissenschaftler von der Musenfreundin Papiere im Wert von 18 Mio. Euro erhalten. Und auch sein Gehalt als Vorstandschef kann sich sehen lassen: Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" kassierte der Zwei-Meter-Mann allein 2010 ein Salär von 10 Mio. Euro - und verdient damit mehr als der bestbezahlte Boss eines Dax-Konzerns. Damit schafft es der ehemalige Konzert-Kritiker zwar noch nicht unter die Milliardäre Deutschlands, doch für einen Platz in der Liste der 1000 reichsten Deutschen sollten die Witwen-Geschenke mittlerweile reichen.
Friede Springer hielt vor der Schenkung sieben Prozent direkt am Springer-Verlag, indirekt kamen weitere 46,39 Prozent hinzu. Diese liegen bei der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, die insgesamt mit 51,5 Prozent an dem Medienkonzern besitzt. An der Gesellschaft ist die Springer-Witwe mit 90 Prozent beteiligt. Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin erfolgte die Schenkung aus der direkten Beteiligung, die damit auf fünf Prozent sinkt. Damit kommt die 70-Jährige nun auf einen Mehrheitsanteil von 51,39 Prozent an dem 1946 von ihrem Mann gegründeten Verlag. Dem Vernehmen nach haben Döpfner und Friede Springer eine Pool-Vereinbarung geschlossen. Döpfner verpflichtet sich damit, bei Entscheidungen auf Hauptversammlungen gemeinsam mit der Verlagserbin zu stimmen.