Homburg Die Pläne sind nicht hochfliegend, eher zurückhaltend. Wir bieten nur Verbindungen an, die wirtschaftlich tragfähig sind. Und wenn wir nicht bestimmte Strecken besetzen, tun es andere Bahnkonzerne an unserer Stelle. Trotzdem starten wir wie geplant ab Dezember gemeinsam mit der französischen Bahn SNCF die neue Verbindung von Frankfurt am Main nach Marseille - statt mit dem ICE fahren wir eben erst mal mit dem französischen Schnellzug TGV.
FTD In neue Dimensionen werden Sie so nicht vorstoßen. Der Chef Ihrer 2010 für 3 Mrd. Euro erworbenen britischen Nahverkehrstochter Arriva hat dafür das Geldausgeben entdeckt. 2,3 Mrd. Euro will er in den nächsten drei Jahren investieren. Ist das machbar?
Homburg Wir haben für Arriva einen sehr strammen Wachstumskurs vorgesehen. Allerdings bezieht sich die genannte Summe auf alle Investitionen ins Neu- und Bestandsgeschäft über die nächsten fünf Jahre, nicht drei. Das umfasst dann sowohl die Fahrzeugkäufe als auch alle sonstigen Investitionen im Rahmen neuer oder bestehender Verträge - der verbleibende Betrag für potenzielle Übernahmen ist der deutlich kleinere Teil. In Großbritannien etwa wollen wir am liebsten alle fünf Fernzugstrecken gewinnen, die demnächst ausgeschrieben werden. Allein dafür bräuchten wir dann erhebliche Investitionsmittel.
FTD Wollen Sie denn die Bahn-Schulden von 17 Mrd. Euro weiter in die Höhe treiben?
Homburg Bestimmt nicht. Die Investitionen sind längst in unseren Planungen. Sonst wären wir kein seriöses Unternehmen.
FTD Arriva betreibt in zwölf Ländern Regionalverkehr. Fast überall hängt das Geschäft von Staatszuschüssen ab. Die Staaten aber müssen sparen. Da wird es doch eng für Sie.
Homburg Das muss nicht so sein. Viele öffentliche Auftraggeber in ganz Europa melden jetzt konkreten Bedarf an, die Verträge nachzuverhandeln. Im Gegenzug für geringere Zuschüsse bekommen wir meist größere Freiheiten bei der Entwicklung von eigenwirtschaftlichen Verkehrskonzepten.
FTD In Spanien steht der zweitgrößte Busbetreiber des Landes zum Verkauf, Avanza. Interesse?
Homburg Es bleibt dabei: Unser Fokus liegt klar auf dem Heimatmarkt. Darüber hinaus sehen wir uns alle Gelegenheiten an, unabhängig von Avanza.
FTD Also auch Avanza?
Homburg Für Avanza gilt, was für alle Kaufgelegenheiten gilt: Wenn ein Unternehmen unsere Aktivitäten sinnvoll ergänzt, gut im Markt aufgestellt ist und der Preis stimmt, sind wir interessiert.