Aktionärsstruktur von Hochtief nach Ländern
Hochtief kann nach eigenen Angaben das Barkapital um zehn Prozent und das Sachkapital um weitere 20 Prozent erhöhen, ohne eine erneute Genehmigung der Aktionärsversammlung einholen zu müssen. ACS, mit 29,98 Prozent größter Aktionär, fehlen derzeit lediglich 14.000 Aktien, um die wichtige 30-Prozent-Hürde zu nehmen. Dieser Abstand wächst, wenn das Kapital sich künftig auf mehr Aktien verteilt. Den Hochtief-Anlegern sollen für je fünf Aktien acht ACS-Anteile geboten werden.
Der Essener Konzern muss sich zudem frisches Geld besorgen, weil eine geplante Anleihe über 500 Mio. Euro zur Finanzierung der Konzernstrategie geplatzt ist. Sie war bei einer Aufsichtsratssitzung am 9. September genehmigt worden - eine Woche bevor ACS angekündigt hatte, Hochtief kaufen zu wollen. Angesichts des drohenden Verlusts der Eigenständigkeit sei die Anleihe nicht mehr platzierbar gewesen, sagte ein Sprecher.
Neue Rezepte für die Abwehr braucht Hochtief umso dringlicher, weil die bisherige Strategie bröckelt. Sie baute vor allem darauf, Hochtief als wichtiges nationales Unternehmen zu präsentieren, das nicht in ausländische Hände fallen dürfe. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte auf Hilfeaufrufe hin jedoch bereits abgewinkt.
Selbst aus der Branchengewerkschaft IG Bau kommen nun kritische Töne. "Ich unterstütze die Abwehrmaßnahmen des Hochtief-Vorstands", sagte Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel der FTD. "Man sollte aber nicht zu sehr auf die Karte nationaler Politik setzen. Wir haben heute einen gemeinsamen Markt in Europa", ergänzte er.